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Dienstag, 1. Mai 2012

Koninginnendag 2012

 
... Mensch, endlich, stand ja für mich als sagenwirmal "beobachtende" Royalistin schon lange auf der to-do-Liste: mein erster Koninginnendag! Niederländische Tradition ( Wiki definiert: Koninginnedag, zu deutsch Königinnentag, ist Nationalfeiertag in den Niederlanden, den Niederländischen Antillen und Aruba, der jährlich am 30. April gefeiert wird. An diesem Tag feiern die Niederländer den Geburtstag der Königin.
Aus diesem Anlass kleiden sich viele Niederländer in Orange (Farbe des Königshauses von Oranien) und feiern landesweit mit Paraden, Volksfesten und Konzerten.)
So oder so ähnlich habe ich das gestern auch gemacht ... bzw. erleben dürfen! Herzlichen Dank an die Gastgeber: war volmaakt! Fries, sate saus en Heineken ... und natürlich alle und alles in oranje! Hach, die Beatrix hätte ihre Freude an uns gehabt. In den Mai über den Dächern von Bruxelles in der Nähe der Etanges d'Ixelles ... mit Kölner Karnevalsmusik und Krönchen ... und nem klassischen Regenschauer zum Abschluss... I'm loving it! 




Sonntag, 18. Dezember 2011

Fitnessweihnachtsbuffett

Culture Club ist nicht nur der Name der 80er-Jahre-Boy-George-Band, sondern bekanntermaßen auch der meines Fitness-Club. Ich liebe es, dorthin zu gehen. Nicht nur des guten Gewissens und des Muskelzuwachses wegen... nein, es herrscht dort eine eigentümliche, ganz wunderbare Atmosphäre vor: Familienunternehmen & Kleinstadttreff & Querbeetsportler & Alltagsabsurditäten. Ich gehe echt immer raus und denke: wenn ich etzt keine Ohren hätte, könnte ich beim Drandenken, was gerade eben wieder geschehen ist, im Kreis grinsen :-)
Da gab es schon die Tage, an denen (die von mir auf Mitte 90 geschätzte) Signora Maria nebst Pflegerin auftauchte. Nicht, dass sie auf einem der Geräte mehr als eine halbe Minute trainiert hätte, aber behandelt wurde sie vom Culter-Club-Team wie eine Spitzenportlerin. Jeder hielt die Daumen hoch, jeder feuerte sie an.
Oder welche, an denen einer der Trainer, der üblicherweise in Disco-Outfit und Rollköfferchen anrauscht, auch noch seinen Mops (in entsprechenden Outfit) mitbrachte und ihm jeden einzelnen Studio-Besucher vorstellt.
Oder welche, an denen es wieder von der Decke tropft (remember: Regen à Bruxelles), die Geräte ohne Plan (und ohne Sinn) umgestellt werden (was meist nicht klappt bzw. nicht von Dauer ist) und, on top, die Kindergartengruppe zu Gast im Übungsraum ist und alle 2 Minutenein kleines Kind angetapps kommt und die Toilette sucht (dann natürlich vom Culture-Club-Team bereut wird wie Signora Maria) ....
Oder eben Tage wie heute, an denen gefeiert wird. Weihnachten steht ja vor der Tür und dann gibt es eben im Fitness-Studio des Vertrauen auch ein Weihnachtbuffet... ähm...okääääy... nö, klar. Ich hätte so gerne einen Fotoapparat dabei gehabt, um die weihnachtlich dekorierte (Kugeln, Luftballons, Stoffweihnachtsmänner, Lichterketten) Ansammlung von Chipsbergen, Käsewürfeln, Tomatensuppe mit Baguette, Kuchenstückchen, Oliven und (Achtung:) gepellten BLUTWURSTSCHEIBEN zeigen (d.h. beweisen) zu können. Hatte ich leider nicht zur Hand. Hoffe, mir wird auch so geglaubt. Ils sont fous, ces Belges! J'aime ca!

Montag, 3. Oktober 2011

Sonntagmorgens


Bei uns gehe sonntagmorgens immer ich Brötchen und Croissants holen. Immer.

Und mittlerweile ist es nicht mehr mein fast manisches Verlangen nach morgendlicher Frischluft und einem kleinen Spaziergang durch menschenleere Straßen, das mich vor die Türe treibt. Nein, es ist Madame Pistolet, die auf mich eine magische Anziehungskraft ausübt.

Ich kann mich noch gut erinnern als ich zum ersten Mal ihre traumschöne Bäckerei betrat. Der Laden sieht aus, wie man das aus Filmen kennt, die im gutbürgerlichen Teil von Paris spielen. Alte, riesige Fenster aus geschliffenem Glas, eine Türe, die beim Öffnen zarte Klingeltöne erzeugt, Pralinen und Gebäckstücke in der Auslage, die wie Kunstwerke aussehen und ebenso angeordnet sind.

Madam Pistolet selbst ist viel zu groß für eine Französin, hat aber sehr feine Hände, ein edles Gesicht. Dazu einen Dutt und eine Brille, durch die jeden Käufer einen strenger, fast spöttischer Blick trifft. Ich hatte beim ersten Mal zwei "petit pain" (Brötchen) bestellt. Ein Blick mit hochgezogenen Augenbrauen statt einer Antwort war die Reaktion. Vielleicht hatte ich ja genuschelt, deshalb wiederholte ich sicherheitshalber meine Bitte und packte all mein Wissen über die korrekte französische Aussprache in diesen Satz. Aber die vornehme Bäckerin senkte kurz seufzend den Kopf zu Boden, sah mich dann autoritätseinflößend an und sagte sehr akzentuiert: "Vous voudriez DEUX PI-STO-LET"(sprich pistole). Gedanklich war ich kurz davor ihr zu entgegnen, dass ich Pazifistin durch und durch bin und wirklich überhaupt keinen Bedarf an Schusswaffen habe .... aber in Wirklichkeit nickte ich schuldbewusst und war auch ein bisschen erleichtert, als sie tatsächlich zwei Brötchen in die Papiertüte beförderte. Die Croissant-Bestellung lief dann ebenfalls eher problematisch ab. Sie sagte, sie habe keine mehr, aber etwas anderes, das so ähnlich sei, ob ich das wolle. Ehrlich gesagt, hätte ich in diesem Moment auch zwei Sack Kartoffeln gekauft...

Mittlerweile weiß ich, dass jeder Kunde bei ihr die harte Schule des "Ich geb hier die Regeln vor" durchlaufen muss. So beuge ich mich in hungriger Ergebenheit dem Kommando der Madame, bestelle Pistolen statt Brötchen, beschreiben das gewünschte Baguette bis ins kleinste Detail, eile, um auf ihren Wunsch die Türe zu schließen ... und fühle mich danach seltsam erheitert, gestärkt und geadelt :-) ... sonntagmorgens in Brüssel ...

Sonntag, 4. September 2011

Wald-und-Wiesen-Sonntage

Während man gestern hier das Gefühl hatte, die gesamten fehlenden Temperaturgrade des Sommers 2011 kumuliert an einem Nachmittag zu erleben, gab's spätabends noch ein Donnerwetter. Nein, nicht zuhause nach dem Weinbar-Abend mit einer Freundin, sondern noch während dessen ... Blitz und Donner und Schiffstaue statt Bindfäden. Und natürlich waren wir beiden Frauen nicht aus Zucker, aber manchmal ist man ja für jedes Argument offen, um noch 2 weitere Gläser Rosé zu bestellen ;-).

Heute dann quasi der Gewitter-hang-over: eine schummrig-schwüle-nicht-Fisch-nicht-Fleisch-Wetterlage.

Ich entschied mich für ein Tageseinstiegsprogramm, das bei wie auch immer geartetem Kater am besten wirkt: Bewegung. Nicht im Fitness-Studio, sondern an der frischen (naja, frischeren) Luft.
Radfahren im Stadtwald. Super! Und heute sah es dort fast aus wie im Nebelwald auf La Gomera...

Zum Vergleich:



Und dann bekomme ich gerade auch noch die Fotos von einem Ausflug ins Naturschutzgebiet Het Zwin an der belgischen Küste, den wir kurz vor dem Urlaub gemacht haben (Daaanke Anne&Iby). War einfach superschön da!


Aber... was will ich jetzt eigentlich damit alles sagen? Puhhh, ... viel, also:
1. Zuhause ist es auch schön
2. das Vorhandensein von schönem Wetter wird überschätzt.
3. das Motto "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern" hat was für sich
4. Sonntage, die man in Wald- und Wiesenlandschaften verbringt, liefern frisches Grün ... nicht zuletzt für den hauseigegen Blog...

Samstag, 18. Juni 2011

Stadterkundungen

Und es geht weiter mit dem "In-der-Stadt-unterwegs-sein".
Ich hatte die ganz wunderbare Möglichkeit an einem Seminar für Architekten, Stadt-  und Landschaftsplaner hier in Brüssel teilzunehmen (dass das Ganze noch einen gewerkschaftlichen Rahmen und Bezug hatte, war das Sahnehäubchen - Danke, Gloria!). In all ihren Details kann und will ich ich diese 4 Tage hier gar nicht wiedergeben (Schreib-bzw. Leseoverkill meiner- bzw. eurerseits) ... aber ein bisschen Reinschnuppern soll's dann schon sein.
Es ist ja schon irre, wenn man durch die "bekannte" Stadt läuft/fährt/schlendert und dabei "fremde" Infos zu Häusern/Statuen/Plätzen bekommt ... ist vielleicht wie einen synchronisierten Filme in der Originalfassung schauen: so vieles Neues & Kurioses, das man vorher nicht bemerkt hat. Dass Bruxelles viel Verstecktes bietet, habe ich ja schon hier oder hier berichtet, aber dennoch bin auch ich immer wieder überrascht, was das dann so alles ist:

Z.B. dass Hitler von den Leuten aus den Marollen  (ein traditionelles Arbeiter- und Einwandererviertel mitten im Innenstadtbezirk) 1945 symbolisch duch eine Art Schauspiel zu Grabe getragen wurde - eine Tafel erinnert noch heute daran:

Oder: dass es möglich ist, das komplizierte Mehrebenensystem der belgischen Politik (das heißt auch : der belgischen Lebensrealität, der belgischen Zuständigkeiten, des belgischen Aufeinanderverweisens,....) so systematisch auf eine DIN A4 Seite zu bringen (sieht fast überschaubar aus ;-)):



Oder: dass es in manchen Stadtteilen die Straßenschilder nicht nur zweisprachig, sondern dreisprachig gibt: französisch, flämisch und Gassendialekt:

Und: dass der unbekannte Graffitti-Künstler, der auch schon auf dem Gehweg vor meiner Wohnung seine filigranen "Tiere im Fall oder Schwebezustand" hinterließ, mittlerweile der bekannteste anonyme Sprayer von Brüssel  ist ... ich find's gut!

Dienstag, 22. März 2011

Kanaldeckel

Ich bin nicht im Mindesten dafür bekannt, unter Verfolgungwahn zu leiden. Und ich kennen natürlich auch keine Personen, die von sowas besessen sind/ sein könnten/ ....naja, zumindest mal in Verdacht geraten. 
Aber der klappernde Kanaldeckel direkt vor dem Schafzimmerfenster nervte schon....
Ich hatte (sehr deutsch wahrscheinlich) meine Vermieterin beauftragt, doch mal rauszufinden, wer in der Commune (quasi: im Bezirksamt) für die Behebung solcher Unpässlichkeiten zuständig sei. Dann könne ich doch mit meinem mittlerweile passablen Französisch quasi die Erin Brockovich unserer Straße werden und für das Grundrecht auf "Ruhe vor Konstruktionsfehlern" kämpfen.
Sie (okay: Juristin - aber sehr nett) wiederum bat mich, von der Situation Fotos zu machen. Ich dachte: okay, aber: wenn schon, denn schon! Hier: Ton & Bild zu plong-plong (or how would you describe that sound?)



Stolz auf meine Zuarbeit und in Erwartung meiner Brockovich-Karriere, zog ich mich ertmal in den von der Straße abgewandten Wohnungsteil zurück (isse sonniger ;-)).
Zufällig (oder durch minutenlange Stille gerieben?) habe ich etwas später wieder Richtung Kanaldeckel geschaut .... wow! workinprocess! Da passierte was. Ziemlich belgisch zwar (oder wer sonst befestigt klappernde Gully-Deckel mit Holzabschnitten? Über die Anzahl der Arbeitszuschauer schweige ich...), aber: seitdem herrscht Stille!
Bonne nuit!




Montag, 7. März 2011

Karneval

Wer sich je in der Karnevalszeit in der Nähe eines Rheinländers aufgehalten hat, der weiß: der MUSS singen, der MUSS schunkeln und der MUSS zum "Zoch" (wegen: Kamelle, Strüßjer, Bützje...)! Was macht man nun, wenn man derzeit in Belgien weilt und leider keine Zeit für einen Kölnausflug hat? Man fährt nach Binche!

Im etwas über 30.000 Enwohner großen Städtchen ist der Karneval  DIE Sehenswürdigkeit überhaupt. Und das erkennt man vor Ort nicht zuletzt daran, dass wirklich jeder beparkbare Quadratmillimeter zugeparkt ist. 
Das hatten wir unterschätzt - aber ansonsten waren wir eigentlich gut vorbereitet und wussten, dass der Bincher Karneval der alemannischen Fasnacht ähnelt und 2003 von der UNESCO in die Liste der „Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit” aufgenommen wurde. Denn der erste Umzug fand bereits 1395 statt.
So standen wir dann stundenlang in der Sonne (!) und warteten (an einer der wenigen Ecken, an der man von der Bierzufuhr abgeschnitten war) auf Masken und Schellen-Kostüme. Aber da kam nix. Oh doch, natürlich kanm da viel: Leute mit Bier-Hüten, Leute im Frittenkostüm , Leute verkleidet als Comic-Figuren... und alle hatten Spaß und überall spielte Musik... ziemlich belgisch eben... aber nicht alemannisch.

Heute habe ich entdeckt, dass wir einfach zwei Tage zu früh dran waren. Denn: "In der Stadt Binche findet am Fastnachtssonntag ("Dimanche Gras") ein Umzug statt, wo Männer als Frauen ("Binchous") verkleidet und Frauen als Männer ("Mam'zèles") verkleidet, begleitet von Violen und Trommeln, durch die Straßen tanzen. Am Fetten Dienstag ("Mardi Gras") füllen die Gilles, die symbolisch für die Erneuerung des Lebens und Fruchtbarkeit stehen, schon 7 Uhr in der Früh die Straßen. Die Maske der Gilles ist allein den Männern vorbehalten. Der Kopf des Gille wird wie bei einer Mumie mit weißen Bandagen gewickelt, dazu trägt er um den Hals eine plissierte Krause und um die Taille einen schweren Gürtel mit Schellen. Die Kostüme selber bestehen aus einem groben Leinenstoff, sind mit den belgischen Landesfarben und Wappenlöwen geschmückt und mit Strohbüscheln ausgestopft. So ausstaffiert sehen die Gilles von Vorne wie das Michelin-Männchen und von hinten wie der Glöckner von Notre-Dame aus" (Quelle : www.carnevalo.de)

.... hmm, für's nächste Mal vormerken... obwohl, da will der Rheinländer auf jeden Fall nach Kölle ;-) Egal: meinen Kostümwunsch für das nächste närrische Treiben steht seit dem gestrigen Ausflug jedenfalls fest: ich geh als Fritte (- die Wucht in Tüten ;-))!  



Dienstag, 4. Januar 2011

Freibier? Feingebäck!

Wenn es während meiner Unizeit im oberfränkischen Bamberg von irgendwoher "FB"schallte, dann war klar: das hat jetzt irgendwas mit Alkohol zu tun. Denn entweder war es ein Hinweis auf "Freibier" oder es handelte sich um ein so genanntes "Fänn-Brost" (also ein "Fern-Prost" - in typischer fränkischer p-wird-zu-b-Manie), wenn man am anderen Ende des Tisches und es zum "richtigen Anstoßen" nicht reichte.
Jetzt tönte es nach Jahren plötzlich wieder FB aus allen Ecken meines Bekannten- und Freundeskreises. Ich solle doch mitmachen. FB sei so lustig. Und so nett zum sozialen Austausch. Mitnichten hatte es dieses Mal etwas mit dem reinheitsgebotlichen Gerstensaft zu tun - dennoch: ein Suchfaktor spielt wiederholt einen nicht wegzuleugnende Rolle. Ich rede von FB alias Facebook. Und ich bin mir bewusst, dass ich davon zu reden beginne, nachdem die ersten Facebook-Nutzer schon Enkel bekommen haben. Egal. Ich hab's getan. Ich habe dort jetzt auch eine Identität und verfolge mit der Faszination eines frühkindlichen Außerirdischen schon den ganzen Tag, wie mir Freunde ihre Freundschaft bestätigen und Herr B. (Gottseidank) unseren Beziehungsstatus....
Puhh, ans Freibier hatte ich mich seinerzeit schneller gewöhnt.

Zum Beweis, dass es in meinem Leben auch reale Dinge gibt und ich mich nach wie vor auch mit andere FBs beschäftige, habe ich mich heute noch der Feinbäckerei gewidmet und die ersten Grissini meines Lebens gebacken (mag ich persönlich ja lieber als Apfeltarte)... was soll ich sagen... Finallement: Bien!

Samstag, 18. Dezember 2010

Last Christmas

Heute Morgen beim Frühstück beschlich mich das ungute Gefühl, dass was fehlt. Komisch, denn Rührei, Zeitung und Kaffee stande/lagen/befanden sich vor mir. Sollte doch eigentlich für einen gelungenen Start in einen Dezembersamstag reichen. Hmm. Aber irgendwas war anders. Anders als sonst. Als letzten Dezember.
Anders als... ja, last Christmas.
In der Zeit vor Weihnachten 2009 lebte ich noch in Deutschland, d.h. sämtliche Frühstücke dieser Art wurden musiktechnisch vom Wham-Dauerbrenner "Last Christmas I gave you my heart..." begleitet (wenn man 100Millionen1000 Mal begleitet wird, dann nennt man das auch belästigt oder stalking oder so...)
Merkwürdigerweise wird jetzt gerade im Retro-80s-Land Belgistan dieses Lied nicht gespielt. Ist wohl wieder ein Teil des ureigenen Indiviadualismusstrebens der Belgier à la: Nö, wenn's alle gut finden, dann ist das nix für uns. Wir machen dann lieber was anderes. (Am Rande: dass anders nicht immer besser ist beweist dann die Dauerschleife Alphaville "Forever young" oder ohgottohgottohgott täglich Sealraufundrunter).
Komisches Völkchen.
Aber sehr liebenswert - und immer auch sehr detailverliebt.
Heute zum Beispiel hat hier ein Restaurantbesitzer fürsorglich auf dem Weg zu seinem Schlemmertempel Salz gestreut. Last Christmas hätte ich noch behauptet, das selbiges in Kilopackungen von den Streufahrzeugen fällt. Seit dem Winter 1 in Belgistan weiß ich: das Ganze lässt sich auch in liebevoller Handarbeit mit einem Salzstreuer bewerkstelligen. So in etwa:


(Szene musste - in Ermangelung eines Fotoapparates zur rechten Zeit - später beim Erzählen in den eigenen 4Wänden nachgestellt werden)

Sonntag, 5. Dezember 2010

Zwarte Piet




Obwohl Belgien ein sehr kleines Land ist, kann auch hier der Nikolaus nicht die ganze Arbeit alleine machen. Unterstützung bekommt er aber hier nicht durch Knecht Ruprecht, sondern durch den "Zwarte Piet", den schwarzen Peter also. Überall gibt es momentan diese kleine Schokoladenfiguren zu kaufen. Und für die Familien, in denen Väter oder gute Freunde zum Real-Version-Auftritt gezwungen werden, liegt in den Kaufhäusern eine Kombi aus buntem Umhang, schwarze Farbe fürs Gesicht und rote für die Lippen bereit.
Natürlich hat der Zwarte Piet vermutlich rassistische Wurzelt (das Schwarze, das Fremde der Teufel) und natürlich wurde in früheren Zeiten den Kindern gerne Angst eingejagt, indem man ihnen erzählte, dass sie der schwarze Mann mit nach Spanien (jaja, auch das Malle-Heimatland galt als fremder Kulturkreis) mitnimmt. Aber dieses Phänomen ist weitverbreitet und von seiner Tradition mittlerweile so losgelöst, dass ich an dieser Stelle niemanden den "schwarzen Peter" zuschieben will - sondern es eher passend & schön finde, dass in einer Stadt wie Brüssel, in der farbige Mitbürger das Stadtbild entscheidend prägen, wenn neben den käsgesichtigen Nikolausfiguren (war der nicht eigentlich auch ein Bischof aus der Türkei?) ein bisschen Farbe die weiße bzw. regnerische Winterlandschaft belebt.

Freitag, 12. November 2010

Wasserdicht

Was ist das?


Richtig: ein abgerissener Papiertragetaschenhenkel (oh, ich liebe die Möglichkeit der deutschen Sprache Kettenwörterketten zu bauen)von hier:


Und warum ist er abgerissen?
Richtig. Weil es hier bis aus Kübeln schüttet und man, solange man sich noch keinen Schlafplatz in seiner Lieblingskaufhauskette eingerichtet hat, mindestens bis zur Metro zu Fuß bewegen muss. Und da prasseln schon einige Kübel Wasser auf das schwarzgefärbte (und somit abfärbende) Täschchen ein. Die Alternative "mit dem Auto fahren" existiert hier in der Innenstadt nicht, denn dann müsste man für die An- und Abreise schon den halben Tag einplanen und hätte schließlich die gleiche Strecke zum Parkplatz zurückzulegen wie der Fußgänger zur Metro.
Ergo: man wird immer nass. Mach ja nix, kann man sich ja mit abfinden, sind ja nicht aus Zucker. Aber das Täschchen...
Ich meine, dass es für weltweit agierende Unternehmen ein Vorteil wäre (oder wenigstens ein feiner Zug), würden sie sich bei der Herstellung ihrer Tragetaschen mit den klimatischen Bedingungen vor Ort vertraut machen. Papierverpackungen in Brüssel scheiden einfach kategorisch aus.
Man verkauft ja schließlich auch keine Skiunterwäsche auf den Kanaren...

Freitag, 5. November 2010

Energie

Komischer Herbst. Oder besser: außergewöhnlich, neu, faszinierend.
In den vergangenen Jahren war der Herbst die Zeit, in dem ich mein Energiepensum runterschraubte (Fernseher statt Biergarten, drinnen statt draußen, Winterspeck statt Bikinifigur).
Dieses Jahr ist das anders. Zumindest was das Energiepensum angeht. Hier wird voll aufgedreht.
Wer keinen Fernseher hat, kann nun hier in Brüssel auf das Anstarren der Waschmaschine verzichtenen. Viel abwechslungsreicher ist es derzeit durch die dunklen Straßen zu schlendern und sich die erleuchteten Geschäfte, Restaurants, Arztpraxen, Privatwohnungen, ... anzuschauen. Der Belgier - ein Beleuchtungskünstler.
Es ist eine Parallelwelt die hier an den grauen Herbstabenden aufsteigt. Alles erleuchtet. Endlich ein Blick hinter die Kulissen belgischer Behaglichkeit. JA, diese Leute haben sich auf regnerische HerbstWinter-Abende eingestellt...
ich mich auch, denn wer durch lange Stadtwanderungen viel Energie verbraucht hat, sollte die derzeit dringend duch geröstete Kastanien wieder auffüllen.
Finde ich leckerer als Waffeln und duftet auch schööön .... nach einem anderen Herbst.

Sonntag, 31. Oktober 2010

Halloween

...dieses Foto ist natürlich Teil des Horrors und kein Abbild etwaiger Fotokunst...


Bis Samstag habe ich echt gedacht, dass hier im Staate der Belgier mal wieder alles anders ist und sich der belgische Groß- und Einzelhandel nicht für die mittlerweile ausschließlich dafür stattfindenden Feiertage interessiert.

In Deutschland seit Ende der Sommerferien in den Regalen sichtbar, fehlt hier auch Anfang November jedes Vorzeichen von Weihnachten in den Supermarktregalen. Kein Lebkuchen, kein Marzipan, keine Schokoladenweihnachtmänner weit und breit. Gut, könnte man meinen, vielleicht geht ja hier alles seinen gewohnt bürokratischen Gang und vor dem X-Mas-Geschäft muss erst das neuerer aber gerade bei Kindern und Süßigkeitenherstellern sehr beliebte Halloween ausgelebt werden. Doch wieder Fehlanzeige: null Fledermäuse, null Gespenster, allein das Kürbisangebot wurde ausgeweitet.
Bis ... ja bis ich am Samstag zum Brötchenholen war. Die Kassiererin afrikanischer Herkunft hatte ihr Haar mit weißem Spray bearbeitet und trug Spinnweben-Make-up. Als ich an die Reihe kam, funktionierte der Kassencomputer (mal wieder/ wie immer/ gewohnterweise) nicht. Sie schaute mich geheimnisvoll an, machte mit den Händen Spinnenbewegungen und sagte, das sei mysteriös und liegt an Halloween. Huihui....

Ich unterdrückte den Satz, dass dann hier wohl immer Halloween sei, schlenderte von dannen und weiß nun auch, warum man für dieses Fest keine Extra-Werbung braucht.

Dienstag, 7. September 2010

Italienische Wochen



Okay, das Wort "Wochen" in der Überschrift ist vielleicht etwas übertrieben, aber zum Zwecke des Spannungsbogenaufbaus erlaubt. Gespannt genug? Gut, dann kann ich ja in gemäßigtem, der Wahrheit verpflichteten Tempo fortfahren. Also: es handelt sich nicht um Wochen, sondern eher um die letzten 33 Stunden meines Lebens. Da habe ich zunächst gestern in einem toskanischen Restaurant hier in Brüssel unweit des Europaviertels ziemlich grandiose Ravioli zu Mittag gegessen. Da einem Nudeln ja zu Lauf-Höchstleistungen treiben können (ich glaube allerdings, dass man dann dafür die Salbeibutter weglassen muss - egal), bin ich anschließend mit dem besten aller Ex-Mitbewohner meine Brüssel-Stationen aus den ersten Monaten hier abgelaufen (ohja, diese Stadt ist wesentlich hügliger als man denkt), wozu auch eine italienische Buchhandlung gehört, die ganz hinten auch Snacks und Getränke verkauft und nach 18 Uhr zur Weinbar mit Häppchen umfunktioniert wird. Alla grande! Und wie wir da so mit dem Wässerchen vor der Buchhandlung saßen (weil wir doch Wein schon zu den Nudeln hatten), kam mein ehemaliger italienischer Nachbar (aus dem Hochhaus mit dem Pannen-Lift) vorbeigeschlendert. So klein ist Brüssel. Und so italienisch. Signore S. habe ich gleich heute wiedergetroffen (er kennt das Pastarestaurant auch und bekam bei Erwähnung des gestrigen Mittagessens leuchtende Augen und ich konnte seinen Magen knurren hören) und jetzt bin ich im Besitz zweier Adressen: eine vom besten Prosecco-Ladens außerhalb Norditaliens und eine von dem Laden, in dem man die besten Rotweine Süditaliens erstehen kann. Angeblich.
... ja, und so können aus den italienischen Stunden vielleicht doch noch Wochen werden. Buono, bravo, bello, bene! Just B.

(kleine Anmerkung zum Bild: nein, ich habe mich nicht vom Vegetarismus verabschiedet - es handelt sich bei der Schinkenscheibe um den Flyer des Buchladens;-))