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Donnerstag, 6. September 2012

Smokey Schuster


"Schuster bleib bei deinen Leisten" heisst es ja gemeinhin gerne mal ...
... und gemeint ist damit, dass man das tun soll, was man kann und sich von Dingen fernhalten sollte, von denen man nix versteht (laut Wikipedia geht dieses geflügelte Wort übrigens auf eine Anekdote zurück, nach der der Maler Apelles von einem Schuster darauf hingewiesen wurde, er habe auf einem Bild einen Schuh nicht richtig gemalt. Apelles verbesserte daraufhin das Bild. Als der Schuster nun noch mehr an seinem Bild kritisierte, rief er ärgerlich aus:„Ne sutor supra crepidam!“„Schuster, nicht über die Sandale hinaus!“. Der Leisten (= das Formstück, das zum Bau eines Schuhs verwendet wird) kam dann wohl später dazu)
... tja, und deshalb repariere ich meine Schuhe auch nicht selbst, sondern lasse das den Cordonnier meines Vertrauens tun ... und der ist eine Institution!! Das Foto oben zeigt den etwa 10 qm großen Laden von aßen. Wer diesen Anblick schon für unübersichtlich hält, sollte sich besser nicht ins Innere vorwagen, denn dieses gleicht einem Dschungel aus Schuh-Bergen und Material-Lianen. Hinter einer 1,40 m hohen Theke steht ein 1,50 m "großes", rundes, glatzköpfiges Männlein, das IMMER eine Zigarette im Mundwinkel hat. Er nimmt die kaputten Schuhe entgegen, fügt sie dem Schuhberg hinzu, repariert sie dann freihändig rauchend, fischt sie dann zielsicher am nächsten Tag - ohne Abholzettel - aus dem Haufen, nuschelt den Preis (meist zwischen 4 und 8 Euro) durch die Tabakwolke und wendet sich wieder seiner Arbeit zu.
Der Wahnsinn! "Schuster bleib bei deinen Leisten"at its best!
 

Samstag, 28. Januar 2012

Märchenstunde

Es war einmal... die Woche , in der das Hollywoodmärchen Heidi&Seal zerbrach und ich meine erste Dienstreise seit lagem machte ... ne Märchenreise.
Kopenhagen.
Das ist nicht nur die Hauptstadt der aktuellen EU-Ratspräsidentschaft, sondern auch die Stadt des Märchenerzählers Hans Christian Andersen.Selbiger ist dort geboren (1805) und auch dort gestorben (1875), hat aber in der Zeit dazwischen über 30 Länder bereist. Was nicht zuletzt seine Phantasie derart angeregte, dass er in seinem Leben über 160 Märchen, Reiseberichte, Gedichte und Novellen aufs Papier brachte.

Wäre er damals schon im Besitz des aktuellen Magazins der Süddeutschen Zeitung gewesen, hätte er sich vielleicht eines der dort vorgestellten Extrem-Reiseziele ausgesucht. Wie etwa den regenreichsten Ort der Erde (die Insel Kauai/Hawaii) oder den flachsten (Salar de Uyuni in Bolivien) oder den abgelegensten (Point Nemo im Sdpazifischen Ozean) oder die höchste Straße der Welt (Semo La in Tibet) oder die schmalste (Brandschutzgässchen in Reutligen) ... da fallen ja selbst mir hundertmillionenntausend Geschichten ein, die man sich darüber schreiben könnte.
 
Aber ich muss ja jetzt erstmal den Kopenhagenbeitrag fertigstellen ...und beispielsweise noch erwähnen, dass das Wahrzeichen Kopenhagens die kleine Meerjungfrau aus dem Märchen von H.C. Andersen ist. Aber so klein ist sie gar nicht: mit 1,25 überragt sie den Brüsseler Maenneken Pis um einiges. Der Bildhauer Edvard Eriksen hat bei der Gestaltung dafür das Gesicht  der damals in Kopenhagen berühmten Primaballerina Ellen Price und den Körper seiner Frau Eline als Vorlage benutzt... auch ne schöne Geschichte ... oder vielleicht auch ein trauriges Märchen, wie die von Andersen.
Ob der gewagte Blumenprint auf sämtlichen Kleidern der dänischen Königin Magarethe unterbewusst auch eine Anlehnung an "Des Kaisers neue Kleider" ist, ist unbekannt. Phantasievoll ist es allemal.


Donnerstag, 2. Juni 2011

Säulen der Werbung

Werbung ist so 'ne Sache.
Sie gehört zwar längst zu unserem Alltag, unterbricht die besten Filme, teilt uns mit, welches Image wir künftig mit Produnkt und Produkthersteller verbinden sollen und wird manchmal sogar zur eigenen Kunstform erhoben. Allerdings hat sie auch immer den leichten Beigeschmack des Manipulativen, des Unehrenhaften, des Irreführenden.
Werbung kommt nicht nur in ganz Europa vor, sondern ist auch im europäischen Recht durch die Werbefreiheit garantiert. Diese stützt sich auf zwei Säulen: Erstens auf die "Dienstleistungsfreiheit (Art. 49 EG-Vertrag), da Werbung als Vertriebsaktivität eine Dienstleistung im Sinne von Art. 50 EG-Vertrag ist". Und zweitens auf die "Warenverkehrsfreiheit (Art. 28 f. EG-Vertrag), da Ziel einer Werbung der Absatz von Waren ist." (Quelle: wikipedia).
Die neueste Werbeaktion hier in Brüssel stützt sich auf ganze vier Säulen(-galerien) ... und zwar auf die des Triumpfbogens im Jubelpark (Park Cinquantenaire)! Ein futuristischs Restaurant (mit Mondpreisen) obendrauf auf dem Wahrzeichen der belgischen Unabhängigkeit! Ja, darf man das??
Vielleicht in diesem Falle ja - geschichtlich betrachtet. Denn der Triumpfbogen war für die Weltausstellung 1880 geplant, konnte aber bis dahin nicht fertig gestellt werden, weil es an Geld fehlte. Die Regierung wollte für ein soch unnützes Bauwerk nicht soviel Geld ausgeben wollte. Erst durch private Geldgeber konnte der Bogen 1905 fertiggestellt werden - gerade rechtzeitig zur 75-Jahr-Feier der belgischen Unabhängigkeit....vielleicht sammelt er jetzt wieder Geld in eigener Sache, um zum nächsten runden Geburtstag 2015 ein Facelifting finanzieren zukönnen...oder halt ein paar Botox-Spritzen.
Will eben unabhängig sein, der Gute.

Samstag, 14. Mai 2011

Manneke-Zinneke-Pis

Die kleine pinkelnde Bronzefigur Manneken Pis ist als Wahrzeichen Brüssels weit über dessen Stadtgrenzen hinaus kannt. Nicht ganz so bekannt dürfte die Tradition sein, dass der kleine Wasserlasser seit 1698 in regelmäßigen Abständen kostümiert wird. Bei Länderspielen der belgischen Nationalmannschaft präsentiert er sich beispielsweise in deren Trikot. Und er sieht aus wie Elvis Presley oder Mozart, wenn sich deren Geburtstag jährt. Am Welt-Aids-Tag wird die Figur dann auch gerne mit Kondomen bestückt. Insgesamt soll es mehr als 500 verschiedene Kostüme geben. Leider ist es mir noch nicht gelungen einen verkleideten Manneken Pis zu fotografieren.

Aber dafür habe ich nach langer Suche in der letzten Woche das skurrile Gegenstück zum Manneken Pist wieder entdeckt. Darf ich vorstellen: Zinneke Pis. Er steht mitten im Gewirr kleiner Gässchen zwischen Bourse und St. Chaterine (Kreuzung der Rue des Chartreux mit der Rue du Vieux-Marché). Als Zinneke werden im Brüsseler Dialekt Straßenköter bezeichnet (die sich wohl früher immer in der Nähe des Kanals "Senne" herumgetrieben haben).
... ja, und weil auch hier gilt, dass Hund und Herchen sich gleichen, darf auch Zinneke das Beinchen heben und ist so wohl somit weltweit eine der wenigen Brunnenfiguren ohne Brunnen .... Sachen gibt's.