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Sonntag, 28. Oktober 2012

schonwiederfarben....

.... jetzt ist aber gut,wir sind ja schließlich nicht im walldorfkindergarten... und nur weil mal altweibersommer oder indian summer oder einfach ein bunteblätterimsonnenlicht-herbst seine aufgabe perfektestens umsetzt, muss ja hier nicht ständig entzückungsalarm herrschen...
tut es trotzdem. t'schuldigung. ist einfach ne freude fürs auge und wunderschön gerade durch die natur zu laufen und das farbenszenario, die stimmung, den geruch von feuer oder erde zu genießen. kurz: alle zwischen 35 und 45 genießen den herbst, kochen gerne und trinken zwischenduch nen tee.... (mit mitte 20 war party, sommersonnenschein und ... nunja ;-))
passend zum wetter habe ich mich heute an einem kürbis-lauch-spinat-zucchini-frühlingszwieben-ingwer-knoblauch-curry versucht ... mit fisch. ich fand's super!

mein mitesser hat wohl eher folgendes gedacht ;-) ...

Montag, 6. August 2012

Sommeressen

Über's Wetter kann man sich ja bekanntlicherweise immer unterhalten.
Über's Essen auch.

Warum also nicht einfach beides kombinieren?

So geschehen in den letzten Tagen, die für den Brüsseler Sommer 2012 überdurchschnittlich sonnig waren. Deshalb gab's zum Beispiel mit den beiden Lieblingsbesucherinnen ein Lauer-Sommerabend-Muschelessen auf dem Place St. Catherine ... draußen, vor den kleinen Fischlokalen, unter buntern Girlanden, mit den neuen Muscheln aus Zeeland - Urlaubsstimmung pur!


Und weil man dem Belgier vieles vorhalten kann, aber nicht, dass er nicht zu entspannen und zu genießen weiß, gibt es hier derzeit einen Picknick-Sommer. D.h. jeden Sonntag trifft man sich in einem anderen Brüsseler Parks, lauscht abgefahrener oder klassischer Musik, holt sich Essen von den Ständen oder einen gefüllten Picknikkorb (12 Euro für zwei Personen) und  chillt bei dem ein oder anderen Gläschen Wein einfach so vor sich hin ... früher hieß das auch "Seele baumeln lassen" - übrigens eine Redewendung, die aus einem Zitat aus Kurt Tucholskys 'Schloss Gripsholm'abgeleitet ist: "Wir lagen auf der Wiese und baumelten mit der Seele". Bin mir sicher, dass piQniQ was für Tucholsky gewesen wäre.


Und wenn dann mal wieder doch viel erfrischendes Nass vom Himmel fällt und es gilt, Indoor-Aktivitäten zu organisieren, dann kann man ja solche wählen, die den Sommer einfangen ... Tomaten  trocknen zum Beispiel. Wollte ich schon immer mal machen. Steht auf meiner persönlichen "1000 things to do before I die". Done! Riecht super, schmeckt traumhaft. Tomatototalo!


Sonntag, 3. Juni 2012

Balkonbepflanzung...

... ist ja nach Angrillen (war 2012 super) nicht nur der logische Anfangsbuchstabe in der Reihenfolge, sondern auch das ambitionierteste Freiluftevent schlechthin ...
Warum? Na, weil ich
1. (wirklich gar) keinen grünen Daumen habe,
2. nie (seit ich zuhause ausgezogen bin)  einen Balkon besaß und
3. Nutzpflanzen bevorzuge und es doch aber auch trotzdem schön finde, Blümchen zu sehen und die Kombi aber gar nicht so einfach ist ...

Was tun? Hmmm... einfach machen. Zum Beispiel gestern. Man startet mit Pflanzen kaufen :
- Minze(brauche ich  für den leckersten Zucchinisalat der Welt: 2 große Zucchini mit dem Sparschäler in Streifen hobeln, quer und längs halbieren, nen guten Schuss Zitronen(!!wichtig)-Olivenöl drüberkippen, nen kleineren Schuss weißen Balsamico, dann bisschen Salz und Pfeffer und in Streifen geschnittene Minze dazu... ganz groß! Kombimöglichkeiten: plus Koriander, plus Rote Beete Würfel, plus Schafskäsebrösel, plus spicy Garnelen...undundund... jomeidesisderwahnsinn)
- Zitronenthymian (war letztes Jahr mein Kräuterfavorit ... Gutes bleibt!)
- Erdbeeren (ich hätte Walderdbeeren nehmen sollen)
-  und Tomaten (meine Erfolgsstory 2011)
- ... und Blümchen;-)














Beim Einbuddeln und Saubermachen auf dem Balkon (sehr cool mit verspiegelter Sonnenbrille und 60cent Gummihandschuhen ;-)) habe ich in bester b-Manier einen Brand bekommen ..  von der Sonne, die sich heute gar nicht zeigte und einem novemberartigen Regen die Bühne überließ (ahhh kalt...üsselig...brrr). Angießen hätte ich mir also sparen können ... binne trotsdeme serrä  stolze, weisse :-)
Und passend zum Anlass gibt es jetzt noch Blumisches auf die Ohren: Flowerpornos alias Tom Liwa! YES!


Montag, 16. April 2012

Bratschlauchlachs

Sollte demnächst eine Haustieranschaffung anstehen: den Bratschlauchlachs kann ich nur wärmstens empfehlen - er ist ein unkomplizierter Zeitgenosse.
Seine Heimat sind die Frischfischtheken belgischer Supermärkte. Von dort aus wandert er gerne zu Wochenendzeiten in den Einkaufswagen, um schließlich in der heimischen Küche zu landen. Frauchen und Herrchen (oder wie sagt man bei Fischen?) freut das!
Er nimmt kaum Pflege in Anspruch: als Schlafplatz reicht ihm ein Bett aus kurz blanchiertem Gemüse, Zitronenolivenöl und Weisswein, Knoblauch und frischen Gewürzen.
Dass er sich in der neuen Umgebung richtig wohlfühlt merkt man daran, dass sich seine Bratschlauchhaut bei 180 Grad wie ein Kindergeburtstagsluftballon aufbläht. Leider hat er nur eine sehr kurze Lebenserwartung - nach 30 Min im Backofen und weitaus weniger auf dem Teller ist er auch schon Geschichte...der Bratschlauchlachs.

Achso, ja: gesellig ist er auch. Teilen sollte man ihn deshalb. Am besten in mit Freunden ... schön, M+C, dass ihr da gewesen seid! :-)

...nein, das ist natürlich kein Bratschlauchlachs (...übrigens mein neues Lieblingszungenbrecherwort) ... sondern eine eingefärbte Dorade ... vom neuen fast-Haustier in der Folie gibt's leider kein Originalfoto, aber bisschen Fischbeilage musste sein.

Dienstag, 21. Februar 2012

Aschermittwochsdavor

Bevor am Aschermittwoch alles vorbei ist, ist vorher ja alles meist etwas doller als sonst ... Warum? Naja, weil doch Karneval ist. Oder Fasching oder Fasnacht - zumindest in meinem Heimatgebiet (aber da habe ich das ja nicht wirklich gemocht... vivacolonia). Best of Karneval kombiniert mit Birthday meiner besseren Hällfte sind genau in dieser Zusammenstellung erst viel später in mein Leben getreten. Zum Glück... zumeist... gilt für beides ;-)
Aber zuück zum Thema: diese Mal gab der Kalender für diese Kombi die Idealstbedingungen her: Schmutziger Donnerstag in Brüssel (bei der Landesvertretung NRW - versteht sich), dann das Karnevalswochendende in Kölle und dann: Ausspannen von den dollen Tagen beim Überschreiten der Jahr(zehnt)esgrenze in einem Sauna-Wellness- Schlösschen unweit des Brüsseler Flughafens ... ohmmmmmm....gerne mal wieder: Thermae  Boetfort - obwohl ich dann schon gerne wissen würde, ob mich "floating" (50 min  rückenliegend/ im Wasser kreisend/ mit unterschiedlichfarbiger Beleuchtung) an eine pränatale Erfahrung ranführen soll oder der Ersatz für einen nicht-gemachten (langweiligen)LSD-Trip ist... aber ansonsten... jou! Sehr schön, sehr belgisch ;-)

... aber damit es dann morgen "deutsch" weitergehen kann, wurde noch ein Geburtstagskuchen  für's Büro gebacken... Kastenform war aus, es herrschte das Verteilungsprinzip (auf verschiedenste Förmchen)... und getreu dem Motto "Et hät noch imma jutjejange", hat's sogar geklappt. Bon. B.

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Weihnachtshugo

Nicht, dass bei uns an Weihnachten die Bude und die Tage nicht sowieso schon mit Leuten en Masse angefüllt wären - in diesem Jahr brachte meine Schwester einen zusätzlichen Gast mit. HUGO. Und weil er farblich so gut zum Weihnachtsbaum passte (nein, ihm war nicht speiübel) und im ganzen Heizungsluftgeschenkeauspacktohuwabohu so erfrischend war, möchte ich ihn hier vorstellen.
 Das ist Hugo:

Er besteht aus: 150 ml Prosecco, 100 ml Mineralwasser mit viel Kohlensäure,2 cl Holunderblütensirup, 3 Blätter, Minze, Limettenscheibe, Eiswürfel
Mit diesen Zutaten wird dann wie folgt verfahren: Minzblätter in ein bauchiges Weinglas geben. Die Blätter mit dem Mörser etwas andrücken. Eine Limettenscheibe und Eiswürfel dazu. Dann mit Prosecco, Mineralwasser und Holunderblütensirup auffüllen. Fertig! Großartig! Früher war mehr Lametta - heute eben Hugo. Und: Loriot schauen und Hugo trinken klappt hervorragend!










Dienstag, 29. November 2011

Merkzettelzusatz

zusätzlich merken:
- ruuuuuhig Brauner, geht doch ....

Montag, 28. November 2011

Merkzettel

Es ist ein Kreuz mit dieser Altersdemenz, wenn man noch jung ist. Dann vergisst man nämlich nicht nur, sondern macht den selben Fehler immer und immer wieder.
Zum Beispiel Plätzchen backen. Ich hab echt immer so eine Art romanisch- bullabüeske Vorstellung davon: Weichzeichner, Zimduft, kuschelige Küche, apfelrote Bäckchen ... usw.
Aber dann, alle Jahre wieder, wird daraus in Realo: Chaos, Verbranntduft, klebrige Küche, hecktisch-rote Wangen.... usw.
Aber es gehört eben dazu. Und vielleicht wird es ja im nächsten Jahr entspannter, wenn ich vorher einen kurzen Blick auf diesen Merzettel werfe:
- Schwierigkeitsgrad beachten & akzeptieren
- Mengenangaben in den Rezepten einhalten
- Vorräte rechtzeitig überprüfen
- Zeitangaben zur Vorbereitung verdoppeln, Backzeit nicht!!


Donnerstag, 17. November 2011

Restopass

Wer kennt das nicht: Entscheidungsschwäche.
Jeden Morgen: Kaffee oder Tee? Jeden Mittag: Sport oder Powernap? Jeden Abend: Resto oder Resto? Naja, letzteres gilt wohl hauptsächlich hier im Mekka des Restaurantangebots. Der gemeine Zugereiste, der hier Expat heißt, gibt auch nicht an, seit wie vielen JAHREN er hier in Brüssel lebt, sondern immer, seit wie vielen KILO.
Aber zurück zur Entscheidungsschwäche: wenn man - wie ich - dazu neigt, dann enden Resto-Wahl-Diskussionen oft mit dem schönen Satz "Gutes bleibt" und der Stammitaliener um die Ecke muss mal wieder Scampi mit Gemüse servieren. Habe ich auch nach hundertfachem Austesten nicht wirklich ein Problem mit. Aber manchmal denkt man sich ja schon, dass man sich freuen sollte, nicht irgendwo in der kulinarischen Pampa abgebildet zu sein, sondern eine breiteste Auswahl an kulinarischen Highlights in Griffweite zu haben. Wenn einem jetzt da nicht die Entscheidungsschwäche auf dem Weg von der Idee zur Umsetzung dazwischen kommen würde...
Und für sowas hat ein ganz schlauer Marketing-Mensch den Resto-Pass erfunden. Man zahlt knapp 40 Euro und hat dann für ein Jahr 40 Restaurants zur Auswahl, in denen man 30% aufs Essen bekommt. Bei den Preisen hier lohnt sich das so richtig. Belgisch-großzügig dabei ist, dass man weder vorher sagen muss, dass man ermäßigt speisen möchte, noch, dass das Angebot auf bestimmte Wochentage beschränkt ist. Echt 'ne nette Sache. Man fühlt sich quasi verpflichtet auszuprobieren ... tschüssi Entscheidungsschwäche ... und: es hat sich jedes der 13 Male echt gelohnt!
Jetzt ist er ausgelaufen, der erste Resto-Pass. Ergo: Wieder kaufen oder nicht? ;-) Quel question!

Samstag, 30. Juli 2011

La Tomatä est arrivée!

Ja, leider auch aus dem belgischen Königreich keine guten Neuigkeiten ... Wolken, 17 Grad, kein Sommer at all. Und wir überlegen hier allen Ernstes im August in die Bretagne zu fahren! Wahrscheinlich lauten dort dann die Postkartentexte "il pleut des cordes" - es regnet Seile ... (weil der Französischsprachige an sich ja zu Übertreibungen neigt ... bei uns sind es schließlich Bindfäden ... und im Flämischen gibt es ebenfalls mehrerer Entsprechungen http://www.buurtaal.de/blog/regen - um hier auch jeder Sprachgemeinschaft genügend Aufmerksamkeit zukommen zu lassen). Aber ein bisschen Sommerfeeling gibt's dann doch: die ersten eigenen Tomaten vom Balkon sind reif & köstlich süß! Und das belgischste daran: man genießt sie wie Pralinen! (Nein, nicht weil sie dick machen ... nur, weil sie so rar sind.) Aber: wenn der Sommer sich dann samt Sonnenschein zum Bleiben entscheiden sollte, kann ich mich hier in die Massenproduktionsernte begeben. Den Butterbergen und Milchseen in der EU werden dann die Tomatentäler folgen....

Sonntag, 19. Juni 2011

Bestesessenderwelt!

Eigentlich (...eigentlich sind Sätze, die mit eigentlich beginnen, per se schon Scheiße...), wollte ich heute eine food-Bolgger-Veranstaltung in Brüssel besuchen. Den Salon du Blog culinaire Belgique. Ein Vorkochen und Verkosten der belgischen und Internet-affinen Köche im Museum am Park Cinquantenaire. Hätte lecker werden können ... und/oder auch inspirierend für die nächsten Koch-Abende. War mir aber vergönnt - da konnten nur die vorher reistrierte Food-Blogger hin.
Bin ich nicht.
Will ich auch nicht sein.
Ich mache ja in B.
Bis auf Grissini, Apfeltarte und Weihnachtsplätzchen habe ich mich blog-technisch noch nicht an den Herd geschwungen. In realo dagegen schon öfter. Am häufigsten, um die mediterrane Gemüsepfanne zu produzieren. Eine Art Ratatouille. Fast immer sonntags (zum Tatort ;-)), mal mit Nudeln, mal mit Garnelen, mal mit Couscous und Schafskäse, immer mit Oliven, fast immer, wenn wir aus einem Urlaub zurückkommen, immer wenn mir kalt ist, immer wenn ich will, dass das Leben schön ist.

Gar kein B-Thema für den "just be"-Blog? Doch: Bestesessenderwelt!
Also: sollten mir je die B-Themen ausgehen, dann werde ich hier Rezepte bloggen ... vielleicht...

Freitag, 11. März 2011

Herzig

Ja, manchmal fasst sich der Belgier ein Herz und verarbeitet die Kartoffel nicht zu Fritten sondern zu Stoemp.
Stoemp ist eine Art Kartoffelstampf, der aber fast nie ausschließlich aus Kartoffeln besteht, sondern meist eine Mischung aus verschiedenen Gemüsesorten (und oft auch gleich dem Wurst-/Fleisch-Anteil der Mahlzeit) darstellt. Man könnte es daher auch Resteessen nennen ... oder Bubble and squeak (England), Colcannon (Irland), Rumbledethumps (Schottland), Pyttipanna (Schweden), Biksemad (Dänemark), Roupa Velha (Portugal)...

Und manchmal ist die Kartoffel ein Herz.
Und will eingentlich gar nicht verarbeitet werden.

Mittwoch, 2. März 2011

Geschichtensalatsalatgeschichten



Kann mich noch gut daran erinnern, dass ich mich in meiner Jugend immer wieder gefragt habe, warum ein Auto in Sportcoupé-Form, das vornehmlich von coolen Cowboystiefel tragenden Discobesuchern gefahren wurde, den Namen eines Gemüses trägt.
Heute weiß ich, dass mich meine Verlese-Fehler wohl noch mein ganzes Leben lang unterhalten werden. Und, dass Scirocco und Chicorée einfach mal gar nichts miteinander zu tun haben.

Bei zweitem handelt es sich um das belgische Nationalgemüse (sieht man von der Kartoffel ab, die aber ihr Gemüseleben aber meist stäbchenförmig als Fritte beendet). Dass der Chicorée hier in Belgien entstanden ist, darüber besteht kein Zweifel. Allein über das „wie“ gibt es mindestens zwei Geschichtsversionen. 
Die erste besagt, dass der Chefgärtner des Botanischen Gartens in Brüssel, Monsieur Brèzier, 1845 im hauseigenen Keller zufällig über die dort vor sich hin dümpelnden  Zichorienwurzeln gestolpert sei. Wohl kurz nach dem Stolpern ist ihm dann aufgefallen, dass die Wurzeln in der Dunkelheit neue Triebe produziert hatten. Am Boden liegend hat er wohl ein bisschen daran rumgekaut, fand’s ganz lecker und hat den Chicorée dann über Jahre hinweg kultiviert und weitergezüchtet.
Die zweite geht so ähnlich, spielt aber bereits im Jahr 1830 (dem Jahr der belgischen Revolution und Staatsgründung). Aus Angst, man könne ihnen die Wurzeln, die zum Brennen des Kaffeeersatzes gebraucht wurden, wegnehmen, hätten die Bauern sie in der Erde versteck. Auch hier entdeckte man nach kurzer Zeit zufällig die neuen, essbaren, weißen Sprossen.

Nur nebenbei: Die Kaffeeersatzproduktion aus den Zichorienwurzeln geht übrigens- laut einem Kriegskochbuch mit dem sinnigen Titel "Haushaltungskunst im Kriege"  aus dem Jahre 1722 – auf den Hofgärtner Timme aus Thüringen zurück. Diese Gärtner scheinen ein ganz schön innovatives Völkchen zu sein. Vielleicht hatten sie ja doch auch bei der Autoentwicklung irgendwie ihre Finger mit drin ….

Montag, 28. Februar 2011

Brotautomat


... und das tägliche Brot gib uns heute - auch nach Feierabend!
In Belgien kein Problem, denn hier gibt es den Brotautomaten. Nein, keine Brot-back-automaten. Brot-kauf-automaten. Vor der Bäckerei. Bestückt mit deren Brot außerhalb der Öffnungszeiten.
Der Zugang zu hochwertigen Lebensmitteln wird hier in der Rubrik "Grundrechte" geführt. Bei Missachtung sehen wir uns in Straßburg wieder, scheint der Belgier zu denken, denn dort kümmert sich der Europäische Gerichtshof um die Einhaltung der Menschenrechte.
Wobei wir schon fast wieder bei der Politik wären ... sind. Bei der belgischen. Beim Regieren ohne Regierung. Ich wollte mich heute von einer klugen Frau, die schon viele Jahre in Brüssel lebt, über die Gefechtslage in der Auseinandersetzung zwischen Flamen und Wallonen aufklären lassen. Gibt es eine Zukunft für Belgien - oder schlagen die sich bald restlos die Köpfe ein? Ach, meinte sie, bevor die aufeinander los gehen, gehen die erstmal essen. Und nach dem Wein zum guten Essen vergessen sie auch schon wieder, dass sie sich eigentlich streiten wollten. 
Das Regierungsproblem ist also somit nur eines der Politiker. Der Belgier als solcher hat andere. Zum Beispiel, wo er nach Ladenschluss noch ein frisches Brot herbekommt.

Dienstag, 4. Januar 2011

Freibier? Feingebäck!

Wenn es während meiner Unizeit im oberfränkischen Bamberg von irgendwoher "FB"schallte, dann war klar: das hat jetzt irgendwas mit Alkohol zu tun. Denn entweder war es ein Hinweis auf "Freibier" oder es handelte sich um ein so genanntes "Fänn-Brost" (also ein "Fern-Prost" - in typischer fränkischer p-wird-zu-b-Manie), wenn man am anderen Ende des Tisches und es zum "richtigen Anstoßen" nicht reichte.
Jetzt tönte es nach Jahren plötzlich wieder FB aus allen Ecken meines Bekannten- und Freundeskreises. Ich solle doch mitmachen. FB sei so lustig. Und so nett zum sozialen Austausch. Mitnichten hatte es dieses Mal etwas mit dem reinheitsgebotlichen Gerstensaft zu tun - dennoch: ein Suchfaktor spielt wiederholt einen nicht wegzuleugnende Rolle. Ich rede von FB alias Facebook. Und ich bin mir bewusst, dass ich davon zu reden beginne, nachdem die ersten Facebook-Nutzer schon Enkel bekommen haben. Egal. Ich hab's getan. Ich habe dort jetzt auch eine Identität und verfolge mit der Faszination eines frühkindlichen Außerirdischen schon den ganzen Tag, wie mir Freunde ihre Freundschaft bestätigen und Herr B. (Gottseidank) unseren Beziehungsstatus....
Puhh, ans Freibier hatte ich mich seinerzeit schneller gewöhnt.

Zum Beweis, dass es in meinem Leben auch reale Dinge gibt und ich mich nach wie vor auch mit andere FBs beschäftige, habe ich mich heute noch der Feinbäckerei gewidmet und die ersten Grissini meines Lebens gebacken (mag ich persönlich ja lieber als Apfeltarte)... was soll ich sagen... Finallement: Bien!

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Adventsduft



Ha! Wer glaubt, dass ich an dieser Stelle mal wieder über Waffeln berichte, hat sich getäuscht. Ich kann auch anders.

Naja, gebe zu: im Sinne einer nuancenhaften Abweichung. Es geht um Spekulatius - oder besser: speculoos. Wie man hier sagt - und zwar das ganze Jahr. Denn ist der Spekulatius in Deutschland eindeutig der Vorweihnachtszeit zuzuordnen, gibt es in Belgien kleine speculoos-Kekse nahezu zu jedem Kaffee. Ganzjährig. Und dann denkt man irgendiwe immer "Jo is dänn hait scho Wainachdn?". Isses nicht.

Und das ist für Weltreisende eine wichtige Information. Denn wer mal außerhalb der Weihnachtsferien in Indonesien aufschlägt, dem wird eine Melange aus Kardamom, Gewürznelke und Zimt in die Nase wehen, weil...

... ja weil Indonesien eine niederländische Kolonie war... und sich deshalb an dieser Stelle eine schöne Überleitung zu den den Flamen anbieten würde.

Aber weil meine Mama heute Geburtstag hat (;-)), wage ich lieber den Schulterschluss mit den ersten Zimtsternen meines Lebens (nein, das stimmt natürlich nicht, aber es sind die ersten gelungenen, denn die ersten fielen in die Rubrik "Alternative Geschosse im Häuserkampf" - ewig her...)
Herz- bzw. zimtsternschnuppenhaftlichen Glückwusch!

Sonntag, 14. November 2010

Apfeltarte

Es gibt so Dinge im Leben, die man einfach mal machen muss.
Französische Apfeltarte zum Beispiel.
Zumindest, wenn man in einem (auch) französisch-sprachigem Land lebt und sich schon vor Monaten eine Tarte-Form gekauft hat (bei Dille & Kamille - eine tolle belgisch-niederländische Ladenkette für alles was in Heim, Garten und Küche so benötigt wird).
Ehrlich gesagt, weiß ich nicht genau, was mich zu diesem Kauf bewogen hat, denn ich kann & mag eigentlich gar nicht backen. Aber wie gesagt: es gibt Dinge im Leben, die meint man einfach machen zu müssen. Der Gedanke daran schwirrt erst durch sämtliche Gehirngänge, setzt sich dann fest und wird plötzlich zum konkreten Idee, die sofort umgesetzt werden muss Bei mir war es heute morgen um 9:00 (Sonntag, d.h. senile Bettflucht) soweit: halbe Tasse Kaffe, und dann ging's auch schon los mit der Arbeit. Getreu dem Motto: Nur der frühe Bäcker backt den Kuchen.
Und voilà, dat isse, meine französische Apfeltarte maison ...

Sonntag, 10. Oktober 2010

Zeitreise



Wenn man, wie ich, in den 70ern des letzten Jahrhunderts das Licht der Welt erblickte, dann denkt man sich manchmal beim Durchschauen der Babyfotos, dass es eigentlich ganz cool wäre, dieser Zeit mal einen kurzen Besuch abstatten zu können.

Kleine Zeitreise. Nur mal kurz Vorbeischauen. Um mit eigenen Augen zu sehen, dass die Familiencouch im braunbeigegrün-Mix, die orangefarbene Lampe und die Schlaghosen des Vaters keine etwaigen Fehlversuche im frühen Fotoshop-Stadium waren.

Einfach mal reinschnuppern in die Welt, deren Duft eine Melange aus Zigaretten, Plastik, Käse-Igel und Toast Hawaii gewesen sein muss. Letzterer wurde zwar schon 1955 vom TV-Koch Clemens Wilmenrod kreiert und in der ersten deutschen Kochsendung vorgestellt, aber die Vorstellung dass Dosenananas eine exotische Kochzutat ist, hielt sich in den bundesrepublikanischen Küchen bis weit in die 80er. Kann man alles eine Generation später nicht mehr nachvollziehen: heute beherrschen ganzheitliche Körperertüchtigungen, klassisch-schlichte Wohnformen und die Karotten-Ingwer-Suppe unser Leben. Nicht schlechter - nur anders.

Es gibt aber die Möglichkeit, das Leben meiner Baby-Jahre hautnah mitzuerleben. Zumindest, wenn man in passabler Wochenendtrip-Entfernung zur belgischen Hafenstadt Oostende lebt. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass sich die 70er so authentisch und großflächig archivieren lassen. Oder wer isst heute noch allen Ernstes am Strand im Schatten eines Betonhochhauses gepresstes Fischeiweiß mit Mayo??

Samstag, 25. September 2010

Slow-Food



Zugegeben: er ist schon etwas mitgenommen, mein "semaine du goût"-Flyer, aber zu meiner Ehrenrettung kann ich behaupten, dass der Fettfleck höchstwahrscheinlich von gutem und - klaro - kalt gepresstem Olivenöl stammt.
Wie es zu Flyer & Fleck kam? Naja, eigentlich ganz einfach: wir hatten Besuch und wollten den abendlichen Restaurant-Gang zu einem Erlebnis machen. Also Laptop an und www.g... fragen. Einer der Treffer war ein Slow-Food-Restaurant 5 Gehminuten von unserer Wohnung entfernt. Nach einer 8-stündigen-Brüssel-zu-Fuß-Tour stand schnell fest: das machen wir. Keine schlechte Entscheidung. Essen & Wein waren ein Traum (der Ober auch ;-)). Und ich erinnerte mich an den Süditalienurlaub vor ein paar Jahren, in denen ich zum ersten Mal Kontakt zu Slow-Food-Restaurants hatte, aber diese Erfahrung schlicht unter "der Wahnsinn" abgespeichert hatte. Einfaches Essen und doch so gutgutgutgutgut...
Warum habe ich mich seitdem nicht mehr damit beschäftigt? Hmmm ... vielleicht, damit ich jetzt ganz aktuell darüber berichten kann. Und mir ein paar zusätzliche Informationen aneigne. Zum Beispiel, dass die Slow-Food-Bewegung in den 80ern aus Italien kam. (Wer jetzt denkt, dass das doch nix mehr mit "B" zu tun hat - weit gefehlt: diese Genuss-Bewegung ging vom italienischen Ort Bra aus, der nahe Turin am Tor zum Barolo liegt ... also immer noch: just be). Der Methanol-Skandal 1985/86 (mehrere Menschen waren an italienischem Wein, der mit Methanol verschnitten war, gestorben) und die Eröffnung des ersten MacDoofs in der Altstadt Roms hatten die traditionellen Genießer Italiens auf die Barrikaden getrieben. Sie verplichteten sich dem guten Essen und schlossen sich zusammen. Interessant an dieser Bewegung ist auch, dass sie (wie die italienischen Umweltbewegung) aus Vorfeldorganisationen der Kommunistischen Partei entstand. Menschen mit Gerechtigkeitsinteresse und mit dem (manchmal unerklärlichem) intrinsischen Interesse an Gerechtigkeit und Gleichheit kämpften auch gegen kulinarische Gleichschaltung. Carlo Petrini, Slow-Food-Gründer, Dario-Fo-Freund, politisch Linker formulierten den Dreiklang: Buono, pulito e giusto - Gut, sauber und gerecht.
Und das schmeckt man!
Als in meinem Sprachkurs voller Euphorie über die Restaurantentdeckung und das Konzept dahinter erzählte, fragte mich eine Freundin aus Osteuropa, ob Slow-Food bedeutet, dass alles noch langsamer abläuft als sonst schon hier in Belgien und ob das Zeichen mit der Schnecke ein Hinweis darauf ist, dass es dort die berühmt-berüchtigten Caricolles (Meeresschnecken in würzigen Sud) gibt, die für manche wie ein nie endender salziger Kaugummi schmecken....
Nunja, so hat eben jede Bewegung ihre Faszination und ihren Erklärungsbedarf...

Sonntag, 15. August 2010

Moules frites



Da es heute schon den ganzen Tag entweder regnet oder zumindest der Himmel durch regenschwangeren Wolken verhangen ist, habe ich schon fast vergessen, was für ein schöner, lauer Sommerurlaubsabend es gestern war. Und da diese mit dem ausklingenden Sommer immer spärlicher werden, muss man einen solchen natürlich entsprechend genießen.

Haben wir gemacht und sind mit unserem Brüsselgast zum Muschelessen gegangen. "La nouvelle saison des moules de Zélande" hat schließlich schon begonnen, und wo, wenn nicht in Brüssel, hat man so viele Möglichkeiten unterschiedlichste Muscheln-und-Fritten-Kombinationen zu testen. Ob ganz klassisch mit Weißwein, mit viel Gemüse à la provencal, anti-vampirisch mit Unmengen an Knoblauch oder exotisch-scharf durch Pili-Pili, jeder (der Muscheln mag, na klar) wird hier seine Geschmacksrichtung finden. Moules frites (Muscheln mit Fritten) ist ein Klassiker der belgischen Küche. Und wer einmal vor einem dampfenden Topf saß und sich Muschel für Muschel zum köstlichen Sud vorgearbeitet hat, der wird verstehen, dass ich gerade eine kleine Schreibpause machen muss, um etwas zu essen, weil mir beim Gedanken daran das Wasser im Munde zusammenläuft.

Okay, vorher noch was Wissenswertes: die Muscheln, die hier in Brüssel und in weiten Teilen Belgiens verzehrt werden, kommen nicht von der belgischen Küste, sondern werden aus der niederländischen Region Zeeland importiert. Das scheint den Belgier aber in keinster Weise zu stöhren: zwei Drittel der gesamten Muschelernte aus der Osterschelde in Zeeland (50 Millionen Kilo) werden hier pro Jahr verzehrt - damit dürfe schon klar sein, wer die europäische Rangliste in dieser Disziplin anführt. Und wir haben gestern unseren Teil dazu beigetragen - unser neuer Sommersport...