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Donnerstag, 6. September 2012

Smokey Schuster


"Schuster bleib bei deinen Leisten" heisst es ja gemeinhin gerne mal ...
... und gemeint ist damit, dass man das tun soll, was man kann und sich von Dingen fernhalten sollte, von denen man nix versteht (laut Wikipedia geht dieses geflügelte Wort übrigens auf eine Anekdote zurück, nach der der Maler Apelles von einem Schuster darauf hingewiesen wurde, er habe auf einem Bild einen Schuh nicht richtig gemalt. Apelles verbesserte daraufhin das Bild. Als der Schuster nun noch mehr an seinem Bild kritisierte, rief er ärgerlich aus:„Ne sutor supra crepidam!“„Schuster, nicht über die Sandale hinaus!“. Der Leisten (= das Formstück, das zum Bau eines Schuhs verwendet wird) kam dann wohl später dazu)
... tja, und deshalb repariere ich meine Schuhe auch nicht selbst, sondern lasse das den Cordonnier meines Vertrauens tun ... und der ist eine Institution!! Das Foto oben zeigt den etwa 10 qm großen Laden von aßen. Wer diesen Anblick schon für unübersichtlich hält, sollte sich besser nicht ins Innere vorwagen, denn dieses gleicht einem Dschungel aus Schuh-Bergen und Material-Lianen. Hinter einer 1,40 m hohen Theke steht ein 1,50 m "großes", rundes, glatzköpfiges Männlein, das IMMER eine Zigarette im Mundwinkel hat. Er nimmt die kaputten Schuhe entgegen, fügt sie dem Schuhberg hinzu, repariert sie dann freihändig rauchend, fischt sie dann zielsicher am nächsten Tag - ohne Abholzettel - aus dem Haufen, nuschelt den Preis (meist zwischen 4 und 8 Euro) durch die Tabakwolke und wendet sich wieder seiner Arbeit zu.
Der Wahnsinn! "Schuster bleib bei deinen Leisten"at its best!
 

Mittwoch, 6. Juni 2012

Zitronentennis

Wenn dir das Leben Zitronen gibt, dann  ... mach Tennisbälle draus! (einige Alternativantworten findet man hier)

Und wenn wir schon mal beim Tennis sind: voilà, die Bühne gehört derzeit dem 21-jährigen Belgier David Goffin. Der hat in seiner Kindheit seine Wände im Kinderzimmer mit Federer-Posters zugekleistert und gestern gegen ihn im Achtelfinal der French Open eine großartige Vorstellung abgegeben! Der Lucky Loser. Heißt also: Wenn dir das Leben Zitronen gibt, dann  ... mach einfach mal irgend was GROSSARTIGES draus. Glückwunsch David: haste gut gemacht! Alles gegeben - dann darf man auch verlieren...
In den letzten Tagen sind ja die Nachrichten voll mit Meldungen über die (Tennis-) Ereignisse in "Roland Garros" (ich wusste nicht, dass der Kampfflieger war) und ich habe mich dann immer dann immer daran erinnert, dass das in meiner Kindheit immer ein "vor dem Fernsehen mitfiebern war"  Chang, Seles, unsere Steffi natürlich ... Rekorde bei den French Open... cool! Und ein Einstieg ins französische Vokabular hätte es sein können: katorskäs (40:15), ägalitä (Einstand)... war's nicht ;-)
Aber ein schönes Tunier und eine nette Jugenderinnerung isses auf jeden Fall!
... und wenn dir das Leben Zitrone gibt: dann  reinbeißen und wenn möglich VIEL Zucker hinterher :-)

Samstag, 11. Februar 2012

Yannik Noah

Ein Held meiner Kindheit!
Ich glaube, ich verbinde bis heute Dreadlocks zu allererst mit Yannik Noah und dann erst mit Bob Marley. Auch: Sexiest Zahnlücke ever. Und so vieles andere ... natürlich vor allem die Tennisübertragungen in den 80ern: der hitzköpfige Becker, der leidende Lendl, der beherrschte Leconte und eben der clownige Noah. Ganz groß!
Als ich hier nach Brüssel kam, hab ich (ganz klassisch) einen Sprachkurs in der Alliance francaise absolviert. Das war toll, weil ich endlich einen Zugang zu dieser komplizierten Sprache fand, weil ich die beste Sprachkursgruppe der Welt hatte und weil unsere (unvergleichliche, wundervolle) Lehrerin Florence uns via la musique das Lernen ein bisschen angenehmer machen wollte...
Das war der Moment in dem ich erfuhr, dass Yannik Noah seine Sportlerkarriere noch um eine als Musiker ergänzt hat ... J'aime ca!!! Und jetzt hatte ich Karten für sein Konzert im Mai hier in Brüssel ... ja, und, was ist: unauffindbar! Klar: das Haus verliert nichts ... eigentlich ... aber nach tagelangem Suchen es ist irgendwie wie mit dem "Socken, die in der Waschmaschine verschwinden"... unerklärbar & doof!!
Als Trost jetzt erstmal ein Video...

Freitag, 13. Januar 2012

Rundumdenrundfunk


Puhh, jetzt wird's hier aber mal langsam Zeit für nen neuen Eintrag...
Also: Von der regelmäßigen Umrundung der Étangs d'Ixelles (also der Teiche/Weiher meines Wohnviertels Ixelles) habe ich ja schon im letzten Beitrag erzählt.
Aber neben der Wasserfläche hat dieser Teil Brüssels auch den Place Flagey und die sternförmige Straßenkonstruktion drumherum zu bieten... und da braucht man sich gar nicht so viel bewegen, sondern kann wunderbar verweilen. Im Café Belga zum Beispiel - retro-style, aber nicht bad-taste. Oder auf dem Platz selbst. Samstags ist Markt - und ob man sich dann da den Waffel-, Austern- oder Käsestand aussucht, bleibt da allein dem persönlichen Gusto überlassen. Oder die arabischen Bäckereien auf der Rue Malibran, mit authentischem Publikum. Oder die Kneipe Petit Pin, in die man sich auf jeden Fall setzten kann, um das Treiben auf der Kreuzung durch das riesige Eckfenster mit zu verfolgen… noch toller isses da mit Freunden … der Mittwochsrunde, klaro … aber das muss ich ja eigentlich nicht betonen ;-)
Noch was wirklich Schönes und Wissenswertes zum Schluss: Der Architekt des ehemaligen Gebäudes des belgischen Rundfunks, in dem sich heute das Café Belga und eine Konzert/Veranstaltungslocation befindet,  heißt Joseph Diongres (1878-1963). Er war Brüsseler, aufgewachsen im sozialschwachen Molenbeek/St Jean, und hat sich nach seinen architektonischen Highlights immer wieder um den sozialen Wohnungsbau in seinem Herkunftsviertel gekümmert. Er wollte was zurückgeben. Bis heute sind diese Gebäude bewohnt – bieten also Leuten Wohnraum, die mir diesem Brüsseler-Upperclass-Eurokrat-System nix zu tun haben. Weil ihn (wahrscheinlich?) wenige kennen, möchte ich ihm hier an dieser Stelle eine zufriedenstrahlende Gedenkminute einräumen!

Sonntag, 3. Juli 2011

Royales

Irgendwie ist ja gerade alles sehr royal: heute Brüsseler Kaiserwetter, gestern monegassische Jet-Set-plus-Franzi-van-Almsick-Fürstenhochzeit und vorgestern die Ansage von niederländischen Freunden, dass sie ihren nun Neunjährigen später mal mit der holländischen Prinzessin Amalia verheiraten möchten (weil die Königsfamilie so lustig ist).

Hab ich schon mal erwähnt, dass ich große Anhängerin europäischer Königs- und Fürstenhäuser bin? Nein? Na, sagt man ja auch nicht so gerne in aller Öffentlichkeit ... aber jetzt ist es raus, und ich kann damit zum eigentlichen Problem kommen:
Ich wohne in dem Land mit dem langweiligsten Königshaus! (okay, Luxemburg läuft außer Konkurrenz)
Ja, echt.
Soll früher mal anders gewesen sein, als das jetzige Königspaar in der Sturm- und Drangzeit war. Ist aber lange her - und heute können weder sie noch ihre Kinder und die Angeheirateten mit Skandalen und Skandälchen à la England, Spanien oder auch Schweden aufwarten. Wenn man sich hier durch die Royal-Family klickt, dann schläft man bei den dazugehörigen Geschichten fast ein... ein bisschen Surrealismus im  Königshaus, das hätte ich mir gewünscht!

Um aber etwas royalen Glanz in meine Umgebung zu bringen, darf meine Solar-Winke-Liz jetzt aus den Weiten meines Balkon-Parks die holde Leserschaft grüßen.

Samstag, 14. Mai 2011

Manneke-Zinneke-Pis

Die kleine pinkelnde Bronzefigur Manneken Pis ist als Wahrzeichen Brüssels weit über dessen Stadtgrenzen hinaus kannt. Nicht ganz so bekannt dürfte die Tradition sein, dass der kleine Wasserlasser seit 1698 in regelmäßigen Abständen kostümiert wird. Bei Länderspielen der belgischen Nationalmannschaft präsentiert er sich beispielsweise in deren Trikot. Und er sieht aus wie Elvis Presley oder Mozart, wenn sich deren Geburtstag jährt. Am Welt-Aids-Tag wird die Figur dann auch gerne mit Kondomen bestückt. Insgesamt soll es mehr als 500 verschiedene Kostüme geben. Leider ist es mir noch nicht gelungen einen verkleideten Manneken Pis zu fotografieren.

Aber dafür habe ich nach langer Suche in der letzten Woche das skurrile Gegenstück zum Manneken Pist wieder entdeckt. Darf ich vorstellen: Zinneke Pis. Er steht mitten im Gewirr kleiner Gässchen zwischen Bourse und St. Chaterine (Kreuzung der Rue des Chartreux mit der Rue du Vieux-Marché). Als Zinneke werden im Brüsseler Dialekt Straßenköter bezeichnet (die sich wohl früher immer in der Nähe des Kanals "Senne" herumgetrieben haben).
... ja, und weil auch hier gilt, dass Hund und Herchen sich gleichen, darf auch Zinneke das Beinchen heben und ist so wohl somit weltweit eine der wenigen Brunnenfiguren ohne Brunnen .... Sachen gibt's.



Montag, 31. Januar 2011

"Aussie"-Kim

Wie hier schon das ein oder andere Mal nachzulesen war: Ich mag Belgien. Sehr! Was ich hier noch nicht so oft erzählt habe: Ich mag Australien auch. Sehr!

An beiden Ländern schätze ich vor allem die Ungezwungenheit, die Selbstgenügsamkeit, das Kuriose, die Bodenständigkeit und das Dosenbier. Kann es dann eine schönere Verbindung geben als eine belgische Australian-Open-Gewinnerin?? Die australische Zeitung The Age schrieb über Kim Clijsters gerade »Es gibt viele gute Gründe, sie zu mögen: sie ist unkompliziert, humorvoll und nicht mit Lleyton Hewitt verheiratet.« Hewitt ist ein australischer Schnösel-Tennisspieler. Nööö, sowas brauchte sie nicht - unsre Kim! Und wegen der vor Jahren gescheiterten Beziehung zu dem nicht von allen Australiern geschätzten Hewitt ist Clijsters down under sozusagen »adoptiert« worden.
So kommt zusammen, was zusammen gehört ;-)


Donnerstag, 20. Januar 2011

Zeichensprache

Schade, dass heute nicht der 14. Januar ist. Dann könnte ich die Geschichte des "Victory-Zeichens" anlässlich seines 70sten Jahrestages erzählen. Muss jetzt eben auch so gehen. Dieses Zeichen kennen und nutzen ja viele. Dennoch bleibt, wie beim Ricola-Schweitzer-Kräuter-Zucker, die Frage: "Wer hat's erfunden?". Nein, Ackermann war's nicht und auch Effe scheidet aus. 
Na? Schon 'ne Ahnung? Ja, welch' Überraschung: die Belgier waren's.


Besser gesagt, einer von ihnen: Victor de Laveleye. Der belgische Politiker emigrierte aufgrund der Besetzung Belgiens durch die Deutschen im im Mai 1940 nach England. Von dort aus beobachtete er, wie seine Landsleute die Buchstaben RAF auf ihre Dächer malten, um den britischen Fliegern (Royal Air Force) ihre Soldarität zu signalisieren. Dieses Unterfangen erschien ihm zu riskant. Victor de Laveleye schlug in einer Radioansprache am 14. Januar 1941 ein einfaches, aus Zeigefinger und Mittelfinger gebildetes "V" als neues Zeichen des Widerstands vor. Unglaublich schnell verbreitete sich das neue Widerstadssymbol in Europa. Die BBC griff es im Sommer 1941 auf - als Morsezeichen (drei mal kurz, einmal lang). Die Anfangstakte aus Beethovens 5. Sinfonie - diese vier bekannten Paukenschläge - kennzeichneten nun das Festlandprogramm der BBC.

Warum ist denn aber die Geschichte des V-Zeichens und der Name Victor de Laveleye nur so wenigen bekannt? Naja, erstens war das Victory-Zeichen als Geste in England schon seit dem Mittelalter bekannt. Und zweitens unterliegen auch Widerstandsymbole den Gesetzmäßigkeiten des Medieneffekts - heißt: ein prominentes Gesicht hat noch nie geschadet. Und so kommt es, dass der britische  Premier Churchill dem "V" schließlich zum Durchbruch verhalft,  indem es bei jeder Gelegenheit seine Finger in die Kameras gehalten hat. (Quelle: Kalenderblatt Deutsche Welle)

Belgisch ist aber dann doch, dass sich das "V" sowohl für das französischen "Victoire" als auch für das flämischen "Vrijheid" stehen kann.

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Muscles from Brussels

Mit der Überschrift bin ich gemeint. Echt. Zumindest bald. Nach zwei Wochen Fitness-Studio gibt es an meinen Oberarmen bereits die ersten muskulösen Anzeichen. Bizeps, Trizeps, Cardio sind meine neuen Freunde. Und dieses Mal muss es einfach klappen mit dem regelmäßigen Studio-Besuch. Meine Erfahrungen als passives Mitglied in einem jungen, hippen Club in Berlin liegen schon Jahre zurück. Aber die Erinnerung an das persönliche Scheitern ist so frisch wie ein Frühstücksei.
Dieses Mal habe ich - gealtert, gereift und im Besitz diversester Selbstüberlistungsstrategien - auf ein angenehmes Ambiente geachtet. Ich dachte, dass ich bestimmt öfter hingehe, wenn ich es da schön finde. Und so ist es. Das Studio meiner Wahl ist in einem typisch belgischen Stadthaus untergebracht (schmale Front, Bel-Etage und steile Treppen von einem Stockwerk zum nächsten). Wozu das gut ist? Naja, beispielsweise erspart das Treppensteigen alleine schon den Stepper und die Hantelübungen vor dem Jugendstil-Spiegel über dem offenen Kamin lassen sogar mich dabei richtig gut aussehen...
Es gibt allerdings eine Sache, die es dort nicht gibt - und die ich mir doch hier in einem belgischen Studio erwartet hätte. Nein, keine frischen Waffeln! Ich meine ein Poster vom Mr. "Muscles from Brussels" himself: von Jean-Claude Van Damme! Muss ich mir wohl selbst mitbringen. Das wird mich bestimmt zusätzlich motivieren. Aber ehrlich gesagt auch daran erinnern, dass dies der erste Blog-Eintrag ist, in dem ich bereits im ersten Satz gelogen habe... nehme also alles zurück, und bekenne, dass es mit meinen Muskelbergen vielleicht noch ein Weilchen dauern kann. Der Titel "Muscles from Brussels" gehört also weiterhin dem belgischen Arnie: Jean-Claude Van Damme. (Ich verneige mich durch Kontraktion der Bauchmuskelpartie und konzentriertem Ausatmen). Dieser soll hier übrigens gleich um die Ecke ein anderes Studio besitzen. Ob das wirklich stimmt konnte ich bisher nicht herausfinden, wohl aber, dass JCvD gerne an die Küste fährt, wenn er in seinem Heimatland Belgien weilt. Wahrscheinlich weil dort immer noch einige der Bodybuilding-Veteranen rumliegen;-)

Dienstag, 14. September 2010

Comic


Worüber man nicht reden kann, darüber soll man schweigen.
Oder zeichnen?
Dann wäre zumindest geklärt, warum Brüssel auch als die Hauptstadt des Comics bezeichnet wird und in keinem anderen Land Europas die Comic-Kultur so verbreitet ist wie in Belgien. Comic ist hier kein Kinder-Ding, sondern eine Kunstform ("die neunte Kunst"). Und diese hat bekannte Vertreter: Tim und Struppi (von Hergé), Spirou (von Franquin), Die Schlümpfe (von Peyo) und natürlich Lucky Luke (von Morris).

In dem Land, in dem es jede Menge politische und kulturelle Streitigkeiten über die "Hauptsprache" gibt, existiert also eine Parallelwelt, die ob ihrer symbolhaften, wortlos aussagekräftigen Kommunikationsform durch Bilder von allen flämisch-wallonisch-und-sonstwas-Auseinandersetzungen unangetastet bleibt.

In surrealistischer Weise schwebte am Wochenende beim Comicfestival am Kunstberg der Luftballon-Polizist über den Köpfen seiner Realo-Kollegen. Seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, scheint in der Comic-Welt alles in bester Ordnung zu sein.

Mit dieser Feststellung hätte ich diesen Beitrag auch gerne abgeschlossen. Allerdings muss ich nach der aus meiner Sicht sehr zweifelhaften Auszeichnung des dänischen Karikaturisten Westergaard im Namen der Pressefreiheit ein großes Fragezeichen dahinter setzen. Auch in der "Zeichen-Sprache" kann es keine Freiheit um jeden Preis geben. Wo Bilder unklar werden, wo sie weiter reichen als sie dürfen, wo sie bewusst überzeichnen und über ihren Rahmen hinausgehen, da muss doch wieder miteinander gesprochen werden. In der richtigen Welt.

Montag, 5. Juli 2010

Eddy-Merckx-Gedächtnistour

Ganz zu Beginn meines Studentenlebens habe ich mal jemanden kennengelernt, der die Tour de France zuhause vor dem Fernseher auf dem Hometrainer mitgefahren ist...
Hätte nie gedacht, dass ich mich mal daran erinnern würde. Es fiel mir aber heute wieder ein, als ich zum ersten Mal im Leben live an der Rennstrecke weilte.
Warum? Na, weil in diesem Jahr die erste Etappe nach Brüssel und die zweite von Brüssel wieder weg führte. Um den 65. Geburtstag von Eddy Merckx und sein Vermächtnis an den Radsport zu feiern. Wer und was war das nochmal? Ah ja: der von den Belgiern geliebte und heute bejubelte Radrennfahrer (in Rente) war - gemessen an Qualität & Quantität seiner Siege – der erfolgreichste in der Radsportgeschichte. Weil er, wenn man alle in Holland und Belgien sehr beliebten „Kirmesrennen“ dazu zählt, zwischen 1965 und 1978 insgesamt über 530 Radrennen gewonnen hat.

Und deshalb musste er heute auch nicht mehr in die Pedalen treten, sondern durfte im roten Cabrio voraus fahren.
Und sich bejubeln lassen... "Eddyyyyyyyyyyyy"
Wenn man ganz genau hinschaut, kann man ihn sehen:

Mittwoch, 14. April 2010

Playlist

Ich mag Musik. Und ich brauche sie in ziemlich vielen Situationen: wenn ich dusche, wenn ich koche, wenn ich schreibe, aber vor allem, wenn ich micht fortbewege. Beim Fahrradfahren singe ich selbst (da ist man schnell wieder weg, wenn die Leute schauen), aber beim Joggen greife ich auf Musikkonserve zurück. Zur Zeit bediene ich mich der Playlist, die wir für die Abschied-aus-Deutschland-Party vor ein paar Wochen zusammengestellt haben. Ich höre Elvis' "In the Ghetto" zum Loslaufen, weil wir dann beide einen Auftrag haben. Dann Grönemeyers "Mensch", weil ich "momentan ist richtig, momentan ist gut" momentan unterstreiche. Dann Querbeet alles von ABBA bis Zappa (und das Beste von heute, klar.).


Aber heute habe ich mir dann gedacht, dass es doch schon mal ein französisches Lied sein sollte (flämisch, da war ich mir sicher, gibt die Playlist nicht her). Und ich wurde fündig: France Gall; Poupée de cire, poupée de son. Super Lied und antreibender Takt, um heiter durch den Park zu stampfen! Geschrieben hat's Serge Gainsbourg und gewonnen hat France Gall 1965 damit den Grand Prix d´Eurovision (für Luxemburg).
Zuhause angekommen hat mich natürlich interessiert, ob nicht Belgien auch eineN Grand-Prix-GewinnerIN vorzuweisen hat. Ja,tatsächlich, das ist der Fall: Sandra Kim gewann 1986 den Titel zum ersten und auch letzten Mal für Belgien. Als jüngste Interpretin ever. Habe mir gerade das Video dazu angeschaut: die perfekte Mischung aus einer jungen Stephanie von Monaco und Freddy Mercury - optisch. Das Lied "J`aime la vie" werde ich natürlich in die Playlist aufnehmen. Erstens, weil ich's tue und zweitens, weil's zum Dasein gehört ;-)

Donnerstag, 18. März 2010

Büchlein

Manchmal beneide ich sie. Die schicken, jungen Leute, die ganz legèr gekleidet überall auf der Welt in den Cafés sitzen und bei einem Getränk ihrer Wahl (in Berlin war es der Latte Macchiato, in Brüssel ist es die antialkoholische Variante des caipirinhas: ein Tee aus frischer Minze und in Bali wird es wohl ein Lassi sein ... nur um mal wieder konsequent beim B zu bleiben) ihre Geistesblitze oder ähnliches in das stylische Laptop (mit dem mit Birnen nicht zu vergleichenden Emblem auf des Computers Rückseite) vor sich tippen. Sie sitzen da, als wären sie sorglos und schaffen all das scheinbar nebenbei, wozu sich Leute wie ich normalerweise ins Büro quälen müssen (okay: quälen musste ich mich nie - aber da bleiben, und das war dann manchmal eine Qual der Wahl).

Dennoch: auch wenn kein Büroalltag den Tag strukturiert, müsste ich mich für eine solche Aktion erstmal mindestens eine Stunde in Form bringen. Nein, damit ist kein Sportprogramm oder gar Botox gemeint - sondern die Expedition Kleiderschrank, denn schließlich muss man zum Ambiente des Cafés passen (man kann sich auch over-/underdressed anziehen - hat dann aber weniger Spaß, meine ich). Dann würde eine weitere Stunde folgen, in der ich, mein Laptop im Arm schlendernd durch die sich gerade anbietende Stadt schlendere (so: und auch hier ist doch schon das nächste Problem: so leicht ist doch das Ding gar nicht - und meines gehört nun wirklich nicht zur Marke uraltundsuperschwer), denn wenn ich das nicht tue und den schnellsten Weg nehme, dann isses ja doch wie ins-Büro-gehen. Im Café angekommen, würde ich ein Heiß-/Kaltgetränk meiner wahr bestellen und es in einem Zug leeren (das mache ich schon immer so - alle Kneipenbesitzer freuen sich über Gäste wie mich - und finanzieren sich darüber). Noch schneller, als ich mein Flüssiges inhaliere, ist dann bestimmt mein Akku am Arsch (schöner: leer). Super entspannte Sache würde ich da mal sagen...

Nein, dann bleibe ich doch bei der mir vertrauten und für mich entspannteren Variante: ich schlendere durch die Gegend, lasse mich dann und wann mal nieder (auf einer Parkbank mit einer Wasserflasche oder im Cafe zum Kaffee/Tee - gerne auch mal einem Bierchen oder Weinchen zu späterer Stunde) und schreibe handschriftlich auf, was mir so passiert ist, an was ich denke, was ich nicht vergessen will, was wichtig sein könnte ... und so fort.
Eine Freundin hat mir zum Abschied ein Moleskine für Brüssel geschenkt - sehr geil! Hat einen Stadtplan und Raum für Notizen und schließlich haben auch schon große Literaten und Künstler wie Bruce Chatwin, Ernest Hemingway, Oscar Wilde, Pablo Picasso, Vincent van Gogh und Henri Matisse ihre Ideen darin niedergeschrieben. Ich könnte mich in eine große Tradition einreihen. Würde ich mich auch gern. Aber trau mich nicht. Weil das Büchlein so schön ist. Und ich mir so genau überlege, was ich da reinschreibe, dass ich dann erstmal nix auf die kostbaren Seiten schreibe, sondern weiterhin auf olle Notizzettel....
Und weil ich das jetzt so doof fand und den Luxus, dieses Büchlein zu haben, doch auskosten wollte, habe ich mir einen Bleistift zugelegt. Da kann ja nix schiefgehen. Ist ja alles wieder rückgängig zu machen. Der goldenen Mittelweg der Unentschlossenheit .... hach, wie gesagt: manchmal beneide ich sie....