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Mittwoch, 26. Januar 2011

Föhnfrisur

Normalerweise sind Friseur-Besuche für mich eine eher unspannende Angelegenheit. Rein, "bitte nur die Spitzen und nicht zu viel", selber föhnen, raus. Das war's dann meistens schon. Da ich die langen Haare meist zusammenbinde, brauche ich kein "legen-und-föhnen". Dachte ich zumindest immer.
Aber das Leben ändert sich manchmal.
Und wir uns mit ihm.
Bei mir war's gestern soweit.
Ich musste mal wieder zum Friseur. Kein Problem eigentlich, denn in der Nachbarstraße gibt es gleich mindestens sechs davon. Musste also nur einen aussuchen. Als ich mit nassen Haaren und dem Handtuch auf dem Kopf dem Haarabschnitt entgegenfieberte, habe ich mich gefragt, ob das hier die Friseurhaupstraße Brüssels ist? Oder wie lässt sich sonst die Existenz von so vielen Friseurläden gleichzeitig erklären?
Ich sollte es 20 Minuten später herausfinden, denn dann waren die Spitzen rundum um 3 cm gekürzt, ich war mit dem Ergebnis zufrieden und schon fast wieder auf dem Sprung ... aber da fing der eigentliche Friseurbesuch erst an... und wenn die das bei jedem so machen, dann ist mir klar, dass unzählig viele Friseure dafür gebraucht werden.
Die Friseuse, die mich bis dahin betreut hatte, holte den Auszubildenden (?) und bat ihn, das Föhnen zu übernehmen. Das tat dieser dann auch. Und zwar mindestens einen Stunde lang. Mit einer Sorgfalt und Hingabe, die man sonst vielleicht nur von Restauratoren alter Kunstwerke kennt, kümmerte er sich um das Trockenwerden der Haare. Strähne für Strähne (und die kann immer nur so ca. aus 50 Haaren bestanden haben) wurde mit Rundbürste und Föhn in Zeitlupe bearbeitet. Wenn ich den Kopf schief halten sollte, machte er es mir vor. Wenn der Kopf wieder in die Gerade sollte, rückte er ihn zurecht. Er zirkelte ab, er föhnte hier und da nach, er nahm sich Zeit für mich, wie noch fast niemand vor ihm. Es hätte der perfekte Anfang einer schönen Liebesgeschichte werden können - du Ashton, ich Demi.
Allerdings war ich gegen Ende wohl nicht mehr ganz sein Typ. Nein, nicht wegen der Haare, die waren schön. Aber durch die stundenlange Föhnorgie mit Dauerwarmluft, hatte mein Kopf die Farbe eine Tomate angenommen, mein Mund war so ausgetrocknet, dass ich Schmatz-Geräusche von mir gab und meine Schwitzattacken (merken: nie mehr im Winterpulli zum Föhn-Friseur) müssen ihn zur Annahme verleitet haben, dass mir nicht mehr viel Zeit bis zum Erreichen des Klimakteriums bleibt.
Naja, aber ein ordentlich geföhnter Haarschnitt kann sogar über den Verlust eines hypothetischen Junglovers inwegtrösten. In diesem Sinne: La vie est belle!


Sonntag, 5. Dezember 2010

Zwarte Piet




Obwohl Belgien ein sehr kleines Land ist, kann auch hier der Nikolaus nicht die ganze Arbeit alleine machen. Unterstützung bekommt er aber hier nicht durch Knecht Ruprecht, sondern durch den "Zwarte Piet", den schwarzen Peter also. Überall gibt es momentan diese kleine Schokoladenfiguren zu kaufen. Und für die Familien, in denen Väter oder gute Freunde zum Real-Version-Auftritt gezwungen werden, liegt in den Kaufhäusern eine Kombi aus buntem Umhang, schwarze Farbe fürs Gesicht und rote für die Lippen bereit.
Natürlich hat der Zwarte Piet vermutlich rassistische Wurzelt (das Schwarze, das Fremde der Teufel) und natürlich wurde in früheren Zeiten den Kindern gerne Angst eingejagt, indem man ihnen erzählte, dass sie der schwarze Mann mit nach Spanien (jaja, auch das Malle-Heimatland galt als fremder Kulturkreis) mitnimmt. Aber dieses Phänomen ist weitverbreitet und von seiner Tradition mittlerweile so losgelöst, dass ich an dieser Stelle niemanden den "schwarzen Peter" zuschieben will - sondern es eher passend & schön finde, dass in einer Stadt wie Brüssel, in der farbige Mitbürger das Stadtbild entscheidend prägen, wenn neben den käsgesichtigen Nikolausfiguren (war der nicht eigentlich auch ein Bischof aus der Türkei?) ein bisschen Farbe die weiße bzw. regnerische Winterlandschaft belebt.

Samstag, 17. April 2010

Supermarktyoga


Die einen nehmen Yoga-Unterricht.
Die anderen gehen in einem belgischen Supermarkt einkaufen.
Zu den letzteren gehöre derzeit ich.

Es ist nicht so, das in den hiesigen Läden die Yoga-Matten ausgerollte werden oder alle Kunden die Angebote der Woche mit dem Sonnengruß begrüßen. Aber wenn man hier nach dem Rundgang durch das Reich des Lucius Licinius Lucullus (* 117 v. Chr., † 56 v. Chr.; ein römischer Senator und Feldherr, der allerdings vor allem durch seine grandiosen Gastmähler in Erinnerng geblieben ist) den Kassenbereich erreicht hat, dann muss man sich - aus Deutschland oder einem stressigen Job kommend - ganz auf seine Mitte komzentrieren, unheimlich ruhig atmen und am besten für eine halbe Stunde die Augen schließen. Wenn man das nicht tut, kann man (als einen Art Meditation) beobachen, wie die Kundin, die momentan den Platz an der Kasse inne hat, zigtausend Gutschein-Special-Offer-Coupons aus der Tasche zieht (einzeln, na klar), denn mithilfe dieser ausgeschnittenen Papierzettel füllt der belgische Supermarktgast sein Bonuspunktekonto. Es ist eine sehr geschwindigkeitsentbehrende, fast rituelle Handlung. Die Kassiererin (als Zeremonienmeisterin des Supermarktyogas) gutiert die Übergabe der Zettel mit einem milden Lächeln und legt selbige ebenso sorgfältig, wie sie der Kundentasche entnommen wurden, in ihre Kassenschublade. Es scheint die Weitergabe positiver Energie in Reinform zu sein. Und die ist nun mal mit der herrschenden Vorstellung von Zeit schwer zu reglementieren.

Ich konnte noch nicht in Erfahrung bringen, was man macht, wenn man es eilig hat - wahrscheinlich geht man dann einfach nicht in den Supermarkt. Aber natürlich bin ich mittlerweile im Besitz eines Bonuspunktekontos, denn schließlich will ich mich ja integrieren. Und Supermarkt ohne Bonuskonto ist wie Yoga ohne Matte - geht, aber professionell ist anders.

Donnerstag, 18. März 2010

Büchlein

Manchmal beneide ich sie. Die schicken, jungen Leute, die ganz legèr gekleidet überall auf der Welt in den Cafés sitzen und bei einem Getränk ihrer Wahl (in Berlin war es der Latte Macchiato, in Brüssel ist es die antialkoholische Variante des caipirinhas: ein Tee aus frischer Minze und in Bali wird es wohl ein Lassi sein ... nur um mal wieder konsequent beim B zu bleiben) ihre Geistesblitze oder ähnliches in das stylische Laptop (mit dem mit Birnen nicht zu vergleichenden Emblem auf des Computers Rückseite) vor sich tippen. Sie sitzen da, als wären sie sorglos und schaffen all das scheinbar nebenbei, wozu sich Leute wie ich normalerweise ins Büro quälen müssen (okay: quälen musste ich mich nie - aber da bleiben, und das war dann manchmal eine Qual der Wahl).

Dennoch: auch wenn kein Büroalltag den Tag strukturiert, müsste ich mich für eine solche Aktion erstmal mindestens eine Stunde in Form bringen. Nein, damit ist kein Sportprogramm oder gar Botox gemeint - sondern die Expedition Kleiderschrank, denn schließlich muss man zum Ambiente des Cafés passen (man kann sich auch over-/underdressed anziehen - hat dann aber weniger Spaß, meine ich). Dann würde eine weitere Stunde folgen, in der ich, mein Laptop im Arm schlendernd durch die sich gerade anbietende Stadt schlendere (so: und auch hier ist doch schon das nächste Problem: so leicht ist doch das Ding gar nicht - und meines gehört nun wirklich nicht zur Marke uraltundsuperschwer), denn wenn ich das nicht tue und den schnellsten Weg nehme, dann isses ja doch wie ins-Büro-gehen. Im Café angekommen, würde ich ein Heiß-/Kaltgetränk meiner wahr bestellen und es in einem Zug leeren (das mache ich schon immer so - alle Kneipenbesitzer freuen sich über Gäste wie mich - und finanzieren sich darüber). Noch schneller, als ich mein Flüssiges inhaliere, ist dann bestimmt mein Akku am Arsch (schöner: leer). Super entspannte Sache würde ich da mal sagen...

Nein, dann bleibe ich doch bei der mir vertrauten und für mich entspannteren Variante: ich schlendere durch die Gegend, lasse mich dann und wann mal nieder (auf einer Parkbank mit einer Wasserflasche oder im Cafe zum Kaffee/Tee - gerne auch mal einem Bierchen oder Weinchen zu späterer Stunde) und schreibe handschriftlich auf, was mir so passiert ist, an was ich denke, was ich nicht vergessen will, was wichtig sein könnte ... und so fort.
Eine Freundin hat mir zum Abschied ein Moleskine für Brüssel geschenkt - sehr geil! Hat einen Stadtplan und Raum für Notizen und schließlich haben auch schon große Literaten und Künstler wie Bruce Chatwin, Ernest Hemingway, Oscar Wilde, Pablo Picasso, Vincent van Gogh und Henri Matisse ihre Ideen darin niedergeschrieben. Ich könnte mich in eine große Tradition einreihen. Würde ich mich auch gern. Aber trau mich nicht. Weil das Büchlein so schön ist. Und ich mir so genau überlege, was ich da reinschreibe, dass ich dann erstmal nix auf die kostbaren Seiten schreibe, sondern weiterhin auf olle Notizzettel....
Und weil ich das jetzt so doof fand und den Luxus, dieses Büchlein zu haben, doch auskosten wollte, habe ich mir einen Bleistift zugelegt. Da kann ja nix schiefgehen. Ist ja alles wieder rückgängig zu machen. Der goldenen Mittelweg der Unentschlossenheit .... hach, wie gesagt: manchmal beneide ich sie....

Freitag, 12. März 2010

Waffelwagen
















Wenn mich jemand fragen würde, wie Brüssel riecht (und weil das vielleich nie jemand tun wird, mache ich das an dieser Stelle sicherheitshalber gleich selber mal - also Frage wie beschrieben), dann wäre meine Antwort: nach Waffeln. Nach frischen, warmen Waffeln. Buttrig. Überall. Der Brüssler liebt diese Dinger.

Er stellt sich in lange Schlangen vor den Verkaufstheken der Waffelläden (die Eisdielen gleichen) an, um das heiße Gebäckstück käuflich zu erwerben. Es kann nur beim Eintreffen von Bananen in der ehemaligenn DDR vergleichbaren Menschenansammlungen zur Huldigung von Nahrungsmitteln gegeben haben. Bekommt man bei den Streifzügen durch Brüssel Hunger auf Waffeln, dann kann man sich also erstens am Geruch orientieren oder zweitens an den langen Menschenschlangen. Und sollten beide Frühwarnsysteme nicht funktonieren, gibt es ja zum Glück eine Art Rettungswagen, der den Waffelnotstand behebt: der Waffel-Bus. Die kleinen gelben Busse gehören zum Stadtbild wie das Yellow Cab zu New York.

Ich frage mich, ob sie auch eine spezielle Rufnummer haben - muss ich noch rausfinden. Dann könnte man den Bus zu einer Party bestellen, wenn ein Gast (nach Verputzen des dargebotenen Buffets) noch nach einem kleinen Waffel-Nachschlag ist. Denn der Belgier scheint über zwei Mägen zu verfügen: einen für alles (inklusive Fritten) und einen für die Waffeln (und Pralinen). Anders kann man sich die Unmengen von Waffelteig, die tagtäglich in dieser Stadt produziert werden müssen, kaum erklären.